Trendwende ?

Es gibt keinen Grund auch nur ansatzweise mit dem Ausgang der Vorarlberger Landtagswahlen zufrieden zu sein. Das Gesamtergebnis lässt trotz grüner Zugewinne von 0,2 Prozentpunkten eher erschaudern als frohlocken. Eine schwarz-blaue Dreiviertelmehrheit im Ländle, eine kollabierende Sozialdemokratie und stagnierende Grüne verdeutlichen höchstens eines: der Trend zeigt in die falsche Richtung.

Umso ärgerlicher, dass dies auch in Hinblick auf die Oberösterreichische Landtagswahl nicht deutlich angesprochen wird, sondern in Allgemeinplätzen auf Bundesebene versucht wird, dem Ergebnis etwas Positives abzugewinnen. Ich kann und will sie nicht mehr hören, die Ausreden von „diesen“ Rahmenbedingungen. Die Rahmenbedingungen sind wie sie sind – und besser werden sie nicht.

Egal ob Gemeinderats-, Landtags- oder Nationalratswahl – viele Menschen wünschen sich politische Alternativen. Es liegt einzig und allein an uns diese zu bieten. Glaubwürdig. Kompetent. Fordernd.

Doch was fehlt ist das Feuer für die eigenen Ideen, die in einer Vielzahl von Grünen Programmen beschrieben sind. Ideen, die die Welt von heute zum Teil auf den Kopf stellen.

Die Grünen sind keine Allerweltspartei – wir können und wir wollen es nicht allen recht machen. Doch wer die Tabus unserer Gesellschaft nicht angreift, wird sich nie profilieren, nie die viel gepriesenen Ecken und Kanten zeigen. Dabei wär’s doch gar nicht so schwer.

  • Wer will, dass die Armen reicher werden, muss den Reichen etwas wegnehmen.

  • Wer will, dass mehr Menschen Arbeit finden, muss nicht nur neue Arbeitsplätze schaffen sondern auch die Arbeitszeit gerechter verteilen.

  • Wer will, dass MigrantInnen Teil unserer Gesellschaft werden, sollte mit ihnen wie mit jedem anderem Menschen reden und nicht über sie – als Problem.

  • Wer will, dass auch unsere Kinder in einer intakten Umwelt leben, muss mehr auf Bewusstseinsänderung setzen als auf technische Neuerungen.

  • Wer will, dass das Bilden einer eigenen Meinung wieder stärker zum Tragen kommt, muss Österreichs Medienlandschaft in Frage stellen.

  • Wer will, dass …

Ich will das. Und noch viel mehr. Und ich bin felsenfest davon überzeugt, es geht nicht nur mir so.

Vermitteln wir dieses Feuer, indem wir endlich einmal aufhören nach Regierungsämtern zu schielen, Koalitionsspielchen mit zu spielen und mit dem selbst ernannten Establishement auf „du und du“ zu stehen.

Um Menschen zu überzeugen braucht es eine Idee, die ihnen Hoffnung gibt. Hoffnung auf weniger Überlebensstress im Alltag. Bei Kindererziehung, Schule und Arbeitswelt. Vom abgesicherten Leben im Alter zur Gesundheits- und Pflegevorsorge.

Schluß damit, unsere Grüne Idee einer besseren Welt ständig dem Altar des Kompromisses zu opfern. Schluß damit nach Wahlergebnissen zu schielen, die wir dann doch nicht erreichen. Überzeugen wir Menschen von Grüner Politik anstatt zu versuchen sie zu überreden uns ihre Stimme zu geben. Hören wir mit dem Schönreden auf.

Wir befinden uns mitten im größten globalen Verteilungskampf der letzten Jahrzehnte. Um Macht, um Geld, um Wasser, um Energie, um natürliche Rohstoffe. Da helfen keine Antworten in homöopathischen Dosen, sondern klare und konsequente Ansagen.

Wer vielen Menschen die Welt lebenswerter gestalten will, muss wenigen Menschen etwas (möglicherweise sogar viel) wegnehmen.

Abschließend ein Aufruf an alle BlogleserInnen. Sagt mir doch, wie’s aus eurer Sicht mit den Grünen weitergehen soll und kann – Vorschläge sind jederzeit willkommen.

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24 Antworten zu “Trendwende ?

  1. gratulation martin! ich werd diesen blogbeitrag für die akin klauen, wenn du erlaubst. nur: mit der jetzigen führung der bundespartei wird gesundbeterei nicht helfen. wenn die personen an der spitze nur in ökofragen laut werden und in bezug auf die extreme rechte, muß man sagen: wer vom kapitalismus nicht reden will, schweige vom faschismus. und die bundesspitzen wollen nicht vom kapitalismus reden – ihr seid in der selben falle wie die sozialdemokratie, die immer angst hat, irgendwem weh zu tun und sich dann wundert, wieso ihr niemand das abnimmt, was feymann „haltung“ nennt…

  2. Okay, das Verbindende zuerst.

    Wer will, dass auch unsere Kinder in einer intakten Umwelt leben, muss mehr auf Bewusstseinsänderung setzen als auf technische Neuerungen.

    Das kann man nur bekräftigen. Umweltschutz muss primär regional und im Kopf stattfinden und nicht in der Hoffnung auf technische Zauberlösungen oder in der Verantwortungsabfuhr auf EU-Technokraten.

    Wer will, dass die Armen reicher werden, muss den Reichen etwas wegnehmen.

    Ein Bild sagt mehr als tausend Worte:

    (Realeinkommen der Briten seit 1200)

    Marktwirtschaft, Handel und Industrialisierung sind das größte Armutsbekämpfungsprogramm aller Zeiten und nicht plumpe Umverteilung. Der Fortschritt verläuft so rasant, dass der Luxus von gestern zur Selbstverständlichkeit von heute wird.

    Die Grünen sind keine Allerweltspartei – wir können und wir wollen es nicht allen recht machen. Doch wer die Tabus unserer Gesellschaft nicht angreift, wird sich nie profilieren, nie die viel gepriesenen Ecken und Kanten zeigen

    Das ist die Lehre der postmodernistischen Frankfurter Schule. Alles bestehende umstoßen und negieren als Weltverbesserungsprogramm. Das ist letztlich nichts als in Philosophie gegossene rebellische Adoleszenz. Aber diese Lehre ist mittlerweile zum größten Spießertum aller Zeiten geworden.

    Für deinen Aufsatz würde dich, wenn du ein Schüler wärst, jeder Lehrer für deine Sozialkompetenz loben. Und genau deshalb muss der heutige Jugendliche rebellieren in dem er Blau wählt und mit Genugtuung zusieht, wie sein grün wählender Lehrer die Hände über dem Kopf zusammenschlägt.

    Die deutsche Piratenpartei bricht Tabus, indem sie im Gegensatz zu allen anderen Parteien einfach auf Frauenquoten und Gendern sch***t.

    Die Grünen sind heute hingegen etabliert und haben ein gewisses Wählerpotential urbaner Bildungsbürger, auch bekannt als Bobos, für sich gewonnen. Das scheint nun ausgeschöpft. Warum nicht mit dieser relativ stabilen Basis erwachsen werden? Man kann es sowieso nicht jedem Recht machen und jedem gefallen. Die anderen Parteien versuchen das auch nicht.

    Das Feuer, das du vermitteln willst, ist jedenfalls nichts neues, sondern mehr vom Selben. Das wird keine zusätzliche Stimme bringen. Aber das macht ja nichts.

  3. an dieter: sorry, aber es geht nicht um stimmen bei der wahl. darum DARF es nicht mehr gehen, sondern darum, daß man den rechtsruck an der Urne UND am Stammtisch stoppt. es geht nicht darum, grün zu wählen, sondern die rechte von schwarz, blau und orange zurückzudrängen. es geht darum, klarzustellen, daß die geistigen nachfolger von heiliger allianz, dollfuß, hitler und mussolini im 21.jahrhundert keinen platz mehr haben. und das nicht nur in österreich, sondern auch im rest der welt – nur leben wir halt in österreich und deswegen müssen wir uns hauptsächlich um die hiesigen rückschrittler kümmern. und da wäre es recht hilfreich, wenn sich grüne und SPÖ an ihre wurzeln erinnern würden!
    wieso muß ich in letzter zeit immer öfter an brechts „flüchtlingsgespräche“ denken?

  4. Vieles was Du schreibst habe ich gestern bereits in meiner Antwort auf Deinen Facebook-Eintrag (wo Du noch die Tatsache, dass die SPÖ in Vorarlberg hinter die Grünen zurückgefallen ist, als historisches Ereignis gefeiert hast) angesprochen.

    Ich habe mich in den letzten Monaten schon oft gefragt wie es sein kann dass eine Partei wie die Grünen so ein überzeugendes und zukuntsweisendes Konzept wie den Green New Deal haben kann und es trotzdem nicht schafft dieses auch nur ansatzweise unter die Leute zu bringen bzw. daraus politisches Kapital zu schlagen. Stattdessen wird mit kleingärtnerischer Betulichkeit unverdrossen über Randgruppenthemen diskutiert, die für die Betroffenen zweifellos wichtig sind, den Durchschnittsösterreicher aber eben nur peripher (wenn überhaupt) interessieren.

    Und die Grünen können und dürfen sich nicht darauf beschränken ihre ohnehin treue Anhängerschaft bei der Stange zu halten, sondern sie müssen Wege finden jene Bevölkerungsschichten anzusprechen zu denen sie bisher kaum Berührungspunkte finden konnten und für die sie immer mehr den Nimbus weltfremder, verschrobener, „linkslinker“ Naivlinge haben.

    Im übrigen bin ich durchaus Deiner Meinung dass man den „Reichen“ etwas wegnehmen muss um für eine gerechtere Verteilung zu sorgen. Nur glaube ich nicht dass das die Parolen sind mit denen man verunsicherte bisherige SPÖ- oder ÖVP-Wähler, die sich von beiden Parteien verraten oder im Stich gelassen fühlen, für grüne Ideen gewinnen und begeistern kann, weil die Mehrheit der Menschen vor solch „radikalen“ Ansätzen doch zurückschreckt bzw. sich von anderen Parteien (oder der Krone) sehr leicht einreden lässt dass ihnen dabei auch etwas weggenommen werden könnte (siehe z.B. Diskussion über die Erbschaftssteuer).

    Stattdessen bietet der Green New Deal z.B. Ansätze für die Schaffung von zehntausenden Arbeitsplätzen durch die gezielte und konsequente Förderung von Umwelttechnolgien und in diesem Bereich tätigen Unternehmen. DAS sind Ansätze, die für verunsicherte Arbeitnehmer, besonders aber auch für Jugendliche, die momentan zuhauf den Blauen zulaufen, attraktiv sind.

    Warum lösen sich die Grünen also nicht endlich von ihrer klassischen Oppositionsrolle und ihrem Randgruppenpartei-Image (die Interessen dieser Gruppen können und sollen sie ja ruhig weiter vertreten) um stattdessen mit Leidenschaft und Begeisterung(sfähigkeit) genau jene Menschen für ihre Konzepte zu gewinnen bzw. diese von der Sinnhaftigkeit bzw. den Vorteilen dieser Konzepte für ihr alltägliches Leben und ihre unmittelbaren Sorgen und Anliegen zu überzeugen?

    Die Grünen müssen endlich raus aus dem Elfenbeinturm und raus aus ihren geschlossenen Kränzchen und dorthin, wo sich der Alltag der meisten Menschen abspielt, und das sowohl thematisch als auch physisch. Sie brauchen sich nicht zu fürchten, denn sie haben durchaus die richtigen Antworten auch für die Sorgen und Probleme der „Durchschnittsbürger“ (im Gegensatz zu Strache, der ihnen ja nur vorgaukelt die Antworten zu haben) – sie müssen sich „nur“ Gehör verschaffen und Überzeugungsarbeit – durch geduldiges Zuhören und geduldiges Antworten – leisten.

  5. @Bernhard:
    Ich verstehe nicht, warum du dein Posting als Entgegnung zu meinem auffasst. „Grün gegen Rechts“ ist ein grünes Kernthema, das die eigene Wählerschaft mobilisiert. Die Vorarlberger Grünen erhofften sich damit offenbar einen Zuwachs auf 15%, nicht ich.

    „Gegen Rechts“ mobilisiert freilich auch die Rechten. Auch das ist nichts neues. Kennen wir ja seit Haider die Macht in der FPÖ übernahm.

  6. Weißt du da bin ich ganz bei dir. Toller beitrag. Ich habe das alles schon vor eineinhalb jahren geschrieben und bin dafür in oö ziemlich geprügelt worden von der grünen spitze.
    Viel glück bei einem neuerlichen anlauf, den grünen ecken und kanten zu verleihen. Ich wäre für alles bereit. Nur im augenblick glaube ich, nach wievor, daß mit dieser spitze kein blumentopf zu gewinnen ist. Wenn sich eine Sburny nun schon wieder hinstellt und eine trendwende verkündet, nach dem sie fünf wahlen lang einen sieg verkündete, aus dem nachher eine niederlag ewurde, dann glaube ich nicht an lernfähigkeit bei unseren spitzenfunktionären.

  7. Zum Glück gibts auch noch Leute wie Dich bei den Grünen, die noch nicht völlig im Paralleluniversum der Bundesgeschäftsführerin leben. Ich habe mich gestern wirklich gefragt wie wenig man noch was von der politischen Realität in diesem Lande mitbekommen kann, wenn man glaubt dies wäre ein „gutes Ergebnis“ und ein „positives Signal für die Oberösterreich-Wahl“…

  8. @Uli:
    „Green New Deal“ = unverständlicher Bobo-Anglizismus. 90% der Bevölkerung verstehen schlicht und einfach nicht, was das heißen soll.

    Außerdem ist Arbeitsplatzbschaffung durch Öko nicht glaubwürdig. Wären die Grünen etwa gegen Wärmeisolierung und Solar, wenn das netto Jobs kosten würde? Hat man da ehrliche Berechnungen gemacht?
    Wohl kaum. Das riecht doch der Hackler hundert Meter gegen den Wind, dass man ihn da für blöd verkaufen will.

    Wie wäre es mit direkt und ehrlich?
    „Isolieren statt im Dunkeln frieren“
    „Solarzellen löten statt Polarbären töten“

    „Draußen der Schnee
    Die Stube bleibt warm
    Putin weint“

  9. @ dieter:

    „Green New Deal“ ist alles andere als Bobo-Anglizismus, sondern – wie Du wohl weisst – ein Programm bzw. Konzept der Europäischen Grünen, das den Kollegen in Frankreich bei der EU-Wahl zu einem Achtungserfolg verholfen hat und sogar eine Wahlempfehlung der Financial Times Deutschland (sicher kein grünes Kampfblatt) bewirkt hat. Dass man so einem länderübergreifenden Konzept einen englischen Titel gegeben hat und noch dazu einen griffigen (der sich auf den historischen New Deal) bezieht, ist doch nicht so verkehrt.

    Aber klar kann man nicht zum „Durchschnittsbürger“ laufen und „Green New Deal“ schreien und alle fallen vor lauter Begeisterung auf die Knie. Aber das Programm enthält genügend konkrete wirtschaftspolitische Lösungsansätze, die sich sehr wohl auf die unmittelbaren Alltagssorgen der „kleinen Leute“ ableiten lassen. Die wirklichen Sorgen der Leute erschöpfen sich schliesslich nicht im „Ausländer“-Thema (das bietet ihnen nur wieder einmal den perfekten Sündenbock für den durch ganz andere Dinge hervorgerufenen Frust). Und genau da kann man mit den Inhalten des Green New Deal sehr wohl ansetzen. Was im übrigen auch die einzig richtige Antwort auf die blaue Ausländerhetze wäre. Man kann nämlich noch so lang (zurecht) gegen die Blauen wettern bzw. vor ihnen warnen – solang man nichts gegen die tatsächlichen Ursachen des Frusts anzubieten hat, der die Leute für Strache’s Sprüche so empfänglich macht, werden sie auch weiterhin an seinen Lippen picken bleiben wie die Fliegen.

  10. Schöner Beitrag. Auch wenn ich mir Dir inhaltlich nicht immer übereinstimme, wäre es jetzt an der Zeit für die Grünen Ecken und Kanten zu zeigen und nicht Regierungsämter schon vor der Wahl zu verteilen. Wo ist zum Beispiel die alte Forderung nach einer höheren Mineralölsteuer geblieben?

  11. @dieter:

    Arbeitsplatzbschaffung durch Öko ist sehr wohl glaubwürdig wenn man darüber nachdenkt.
    Jobs bringen ja nicht Wärmeisolierung und Solar an sich (das kostet wahrscheinlich sogar 4-5 Jobs in der Energiewirtschaft), sondern die Sanierung, Erzeugung und Installation der Anlagen, usw. Und bei dem Sanierungsbedarf des Gebäudebestands in .at ist das auch ein nachhaltiger Ansatz.
    Das dabei der Installateur ums Eck einen Auftrag kriegt brauchst du deinem Hackler nicht mal erklären, das hat er schon gesehen, und er lässt sich wahrscheinlich gerade umschulen weil er in der Autozulieferindustrie keine Zukunt mehr sieht…

    @Bernhard
    Ich sehe leider recht wenig was die Grünen machen können wenn Wähler scharenweise von den Großparteien nach rechts laufen. Von grün weg laufen sie ja nicht. Wenn überhaupt könnte man bei der Jugend noch ansetzen. Da haben sich die Grünen wahrscheinlich zu sicher gefühlt.
    Aber wenn die Wähler von Schüssel und Fekter durch thematisches Entgegengehen auf der einen und von unglaubwürdigen Sozialdemokraten auf der anderen Seite zur FPÖ getrieben werden, was sollen die Grünen da machen? Laut aufschreien, protestieren gegen rechts und Dialog mit Betroffenen suchen. Das passiert alles schon.

  12. „Wer will, dass MigrantInnen Teil unserer Gesellschaft werden, sollte mit ihnen wie mit jedem anderem Menschen reden und nicht über sie – als Problem“.

    Ja, bin ich dafür. Natürlich.

    Aber man sollte auch den Mut haben, Probleme beim Namen zu nennen. Und ich denke, hier haben wir ein ernstes, in der Öffentlichkeit noch kaum diskutiertes Problem – ich poste mal diesen Link und bitte besonders das Kapitel „Judenhass als antrainierter Instinkt“ zu lesen. Da bekommen die antisemitischen Rülpser der F-ler gleich eine andere, erschreckende Dimension:

    http://fm4.orf.at/stories/1603723/

  13. @ christian: nein, darum gehts mir nicht, daß die grünen zuwenig gegen die ausländerfeindliche politik protestieren – sie müssen den kapitalismus angreifen. wenn wir „rechts“ nur als „rassistisch“ übersetzen, haben wir verloren. die menschen sind verunsichert bzgl. ihrer eigenen zukunft resp. frustriert über ihre gegenwart – und das zu recht. wenn die pension zur lotterie wird und bildung ein luxus, dann werden menschen aggressiv und das ist gut so. da müssen die linken bei grünen und spö endlich ihre noble zurückhaltung aufgeben. sagt den leuten doch nicht ständig, daß sie lieb und nett sein sollen, sondern sagt ihnen, daß ihr feind nicht der mensch ohne öst. paß ist, dem es noch mieser geht als ihnen selbst, sondern daß das die bonzen sind – man entschuldige bitte hier meine populistischen formulierungen, ich rede auch recht ungern in solchen schwarzweiß-schemata, aber genauso muß man mit den leuten reden. fiona und julius sollen zahlen!

  14. Martin,

    „Doch wer die Tabus unserer Gesellschaft nicht angreift, wird sich nie profilieren, nie die viel gepriesenen Ecken und Kanten zeigen.“

    mit diesem erfolgsrezept hast Du zweifelsfrei Recht, denn dass dieses Konzept sehr gut funktioniert, beweist uns die FPÖ bei jeder Wahl.

    Deine beispielhaften konkreten Vorschläge halte ich, obwohl wir uns bei den Zielen einig sind, in beinahe allen Fällen für weit daneben.

    Die Vorarlberger Wahl hat zwar keine neuen Erkenntnisse über das Wählerverhalten geliefert, aber in noch nie dagewesener Schärfe demonstriert, dass nicht SPÖ&Grüne die kommunizierenden Gefäße sind, sondern SPÖ&FPÖ.

    Für dieses Problem müssen die Grünen endlich einen Lösung finden: warum rennen die ex-Sozialdemokraten zu den Rechten anstatt zu den „ehrlicheren Sozialdemokraten“, den Grünen?

    Es wird Dich nicht überraschen, wenn ich Dir als Rezept für diesen Prozess Deine eigene Strategie empfehle: ran an die Tabus der Grünen.

    Oder mit +/- 10% zufrieden sein – die nächste Wahl kommt bestimmt.

  15. @dieter

    Du schreibst ‚Marktwirtschaft, Handel und Industrialisierung sind das größte Armutsbekämpfungsprogramm aller Zeiten und nicht plumpe Umverteilung‘ und unterlegst dies mit einer Grafik – die genau genommen überhaupt nichts aussagt. Eine typische Exponentialkurve (selbst minimales Wirtschaftswachstum/pro Kopf ergibt über diesen Zeitraum das dargestellte Bild) die weder Bezug auf Einkommensverteilung noch Veränderungen im Zeitraum von 1000 Jahren nimmt.

    Dennoch bestreite ich diesen Satz in Bezug auf die Vergangenheit gar nicht. Angesichts der Entwicklung in den letzten drei Jahrzehnten (global wie national), wo Wirtschaftswachstum nicht mehr zur Erhöhung des allgemeinen Wohlstandes sondern vielmehr zur Entstehung einer exorbitanten Ungleichverteilung des gesellschaftlichen Reichtums geführt hat, ist Umverteilung notwendig.

    Niemand spricht davon „Alles und Jedes“ umzustoßen, doch die freie Interpretation eines geschriebenen Textes ist ein beliebtes Stilmittel, um infolge seine eigenen Schlußfolgerungen (postmoderne Frankfurter Schule) logisch erscheinen zu lassen.

    Auch scheint es mir sinnvoll mit einer Mär über die Grünen aufzuräumen. Gibt es doch mittlerweile unter allen anderen Parteien mehr Menschen, die du ‚liebenswert‘ Bobos nennst, als bei den Grünen. Und bitte mach dabei nicht den Fehler jeden Menschen, der ein bißchen auch sein eigenes Leben reflektiert als Bobo zu bezeichnen.

  16. Das ist jetzt ein bissl Offtopic. Aber ich bin gerne ein Bobo und wüsste such nicht was daran so schlimm sein sollte!-)

    • solange leute wie du sich als bobo bezeichnen, teile ich deine diesbezügliche einschätzung gern 🙂

      als kampfbegriff des politischen gegners – der mE. im verständnis der bevölkerung größtenteils seinen niederschlag findet – bin ich nicht darüber glücklich als bobopartei bezeichnet zu werden.

  17. @uli

    mehr leidenschaft, mehr begeisterung – damit rennst du bei mir offene türen ein – und verweist dabei auf den ‚green new deal‘. dabei wird jedoch – gerade in der kommunikation – auch seitens der eigenen leute wesentlicher punkt um diesen zukunftsfähig erscheinen zu lassen, vergessen. kann doch der ‚green new deal‘ nur dann erfolgreich wirken, wenn es innerhalb des real existierenden kapitalismus zu entscheidenden veränderungen in richtung solidarischer und ökologischer marktwirtschaft kommt.

  18. @martin: Die Kurve beschreibt durchschnittliche Reallöhne. Bis zur industriellen Revolution gab es überhaupt kein Wirtschaftswachstum. In der Zeit danach gab es immer wieder Zeiten mit steigender oder sinkender Ungleichverteilung, aber für alle ging es bergauf.

    Auch in den letzten 30 Jahren ist der Wohlstand global wie national gestiegen. Deine Behauptung, die man ständig hört, betrifft amerikanische Haushalte und wird falsch interpretiert. Heute gibt es mehr Singlehaushalte. Singlehaushalte sind ein Wohlstandsphänomen, aber klarerweise sind zwei Singlehaushalte für sich „ärmer“, als wenn man beide zusammen rechnet.
    Und außerdem gab es dort in diesem Zeitraum eine enorme Einwanderungswelle von armen Mexikanern, die den Schnitt drücken, aber im Vergleich zu ihrem Herkunftsland wesentlich besser leben. Haushalte sind nicht atomar und ortsgebunden, daher irreführend.

    Zur Einkommensverteilung schreibe ich aber noch was.


    In der Bobo-Frage stimme ich Gerald Bäck zu. Das kann genauso eine positive Selbstidentifikation sein, wie beispielsweise „Bauer“ oder „Hackler“. Die ÖVP schämt sich auch nicht dafür, die Heimstadt der Bauern zu sein.


    Die Frankfurter Schule ist eben jene Denkrichtung, die das Umstoßen und auf den Kopf stellen zur Tugend an sich erhoben hat.

  19. Hm, als Ex-Grün-Wähler kann ich nur sagen, der Trend zeigt in die richtige Richtung: es muss mal so richtig weh tun bis Ihr Grünen kapiert, das Ihr am Holzweg sein. Insbesondere Sie mit Ihrer Wirtschaftspolitik – wurde gestern ja brutal abgewählt bei der SPÖ Oberösterreich. Die Leute haben kapiert das die Versprechen leere sind, die letztendlich nicht eingehalten werden können.

  20. @Hannes S.: Ich kann nicht erkennen, wie Martin Margulies Wirtschaftspolitik bei den Landtagswahlen in OÖ mit der SPÖ abgewählt wurde. Erkennen konnte man aber, dass die Regierungsarbeit von Rudi Anschober zu keinem großen Stimmenplus geführt hat.

    @alle: Daher glaube ich, dass die Grünen mit durchaus „linkspopulistischen“ Forderungen in die nächsten Wahlkämpfe gehen sollten, auch den Wiener Wahlkampf. Es genügt nicht, darauf hinzuweisen, dass grüne Themen schön langsam übernommen werden, oder dass es den einen oder anderen Erfolg der Oppositionsarbeit gibt, wie z. B. eine Rechnungshofprüfung bei Skylink (so verdienstvoll das ist).

    Und diese Forderungen können ruhig „Bundesthemen“ oder sogar „Weltthemen“ sein. Da können nämlich alle Wähler mitdiskutieren und -denken. Und sie wissen, wofür die Grünen wirklich stehen, in welche Richtung sie wollen.

  21. Pingback: Oberösterreich: Meine grüne Analyse | Andreas Lindinger

  22. Nein, Trendwende war es weder in Vorarlberg, noch in OÖ. Mit einem blauen Auge davongekommen wäre wohl die treffendere Bezeichnung gewesen. Erleichterung darüber, dass es diesmal eben kein Minus ist. (Bleibt nur die Frage, ob so viel Ehrlichkeit im Fernsehen auch belohnt wird?)
    Jedenfalls ist das Ergebnis, auch in OÖ, nur mäßig erfolgreich, vor allem wenn man nicht nur das Grüne Ergebnis, sondern das Gesamtergebnis anschaut. So verdient die dramatischen Verluste der SPÖ auch waren, so schlimm ist es jetzt, dass es beispielsweise im Welser Gemeinderat jetzt eine blau-schwarze Mehrheit gibt. (Mehr dazu hier.)

    Ich bin jedenfalls gespannt, ob das in Wien kommendes Jahr anders laufen wird. Alleine die Themen zu wechseln (Energiewende – Umverteilung) wird meiner Meinung nach nicht genug sein.

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