meinem Freund Hans Dichand

Im Dezember 2009 schalteten Stadt Wien und Wiener Stadtwerke in der Kronen Zeitung umgerechnet mehr als 40 ganzseitige Inserate. Getrost können die veröffentlichten Sujets als kaum informativ bezeichnet werden. Die Kosten für die Stadt Wien lagen dafür bei ungefähr € 900.000. Fast in der selben Größenordnung bedacht wurde die Gratiszeitschrift „Heute“, wo Eva Dichand als Herausgeberin und Wolfgang Jansky (davor Mitarbeiter von Werner Faymann als Wohnbaustadtrat) als Geschäftsführer fungieren. In Summe verschleuderte die Stadt Wien für mißbräuchliche Imagekampagnen (v.a. Brauner) und dümmlicher Werbung zur Anfütterung zwecks erhoffter besserer Berichterstattung im Dezember mehr als drei Millionen Euro.

Einen ungeahnten Höhepunkt erreichte die Inseratenschaltung der Stadt Wien zwischen Weihnachten und Silvester.  Insbesondere in der Kronen Zeitung.  Angeblich gibt es über die Hintergründe dieser Schwerpunktaktion einen Briefwechsel zwischen Bürgermeister Häupl und Hans Dichand. Bedauerlicher Weise blieb dieser Schriftverkehr bislang unveröffentlicht, sodass über seinen Inhalt nur spekuliert werden kann. Gut informierten Quellen zufolge, dürfte er jedoch in etwa folgendermaßen lauten.

Lieber Hans!

Gleich vorweg – dir und deiner Familie, fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Doch was wäre der Wiener Bürgermeister, hätte er nicht gerade in der Weihnachtszeit noch ein besonderes Geschenk für dich. Schließlich soll 2010 nicht nur für dich sondern auch für mich ein erfolgreiches Jahr werden.

2009 war für uns Sozialdemokraten, unverblümt und in aller Ehrlichkeit gesagt, ein ‚Scheiß Jahr‘. Alle wichtigen Wahlen verloren und manchmal hatte ich sogar den Eindruck, dass du selbst unserem gemeinsamen Ziehsohn deine Liebe und Zuneigung entzogen hast. Gut – das hat sich gegen Ende das Jahres wieder gebessert und Werner hat sich mit einem Brief an dich in dem er öffentlich um Vertrauen wirbt bedankt. Scheinbar hat er dir so gut gefallen, dass du im Dezember für einen mehrfachen Abdruck in deiner Zeitung für alle Wiener gesorgt hast.

Ich mag dich und die Krone, verzeih mir – sie ist immer noch die einzige, welche sich am Klo problemlos liest. Gerade deshalb hab ich trotz krisengebeuteltem Budget schon vor einigen Wochen mit meinen Direktoren bei den Wiener Stadtwerken Pläne gewälzt, wie wir es gemeinsam schaffen könnten, dir zu helfen. Und was der Werner kann, dass kann ich besser. Also haben wir dir viele Briefe geschrieben, damit du diese auch abdrucken kannst.

Weil es aber unverantwortlich wäre, dass du für die Kosten der Veröffentlichung aufkommst, hab‘ ich dir als vorläufigen Druckkostenbeitrag für Dezember rund € 600.000,- überweisen lassen. Ich hoffe doch, dass du diese Summe entgegen nimmst – und glaube mir, ich erwarte mir dafür keine Gegenleistung.

Die Reaktion der Bevölkerung auf unsere Briefe hat jedoch meine kühnsten Erwartungen übertroffen. Und so schenke ich dir für die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester nochmals jede Menge Briefe. Gleich zwei bis drei pro Ausgabe. Der Einfachheit halber lege ich einen Scheck über knapp € 300.000 bei. Sollten damit deine Unkosten nicht abgedeckt sein, dann melde dich bei mir.

Lieber Hans, 2010 wird ein Entscheidungsjahr – und du kennst mich. Ich mag keine Situation wie in Kärnten, wo sich das BZÖ mit Hypo-Geldern vom Land den Wahlkampf finanzieren hat lassen. Dazu bin ich ein zu ‚grader Michl‘, diese Nachred‘ mag ich nicht. Wennst mich allerdings rein redaktionell in einem guten Licht erscheinen läßt, bin ich dir auch nicht bös.

Ganz liebe Grüße,

Dein Michl

PS.: Mir liegt ganz viel an dir und deiner Familie. Hab‘ deshalb an die Zeitung deiner Schwiegertochter ebenfalls ganz viele Briefe schreiben lassen.


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2 Antworten zu “meinem Freund Hans Dichand

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