Im Hintern der Krone – die SPÖ und die Wiener Volksbefragung (Teil 3)

Ganz gleich, wie die Volksbefragung ausgeht – Hans Dichand hat schon gewonnen. Rund ein Drittel des für die Volksbefragung zur Verfügung stehenden Werbeetats für Printmedien floss direkt in die Kronenzeitung. In Summe knappe 350.000 €, der Großteil seit 1. Februar.

Ganz gleich, wie die Volksbefragung ausgeht – Michael Häupl hat schon gewonnen.Wieder durfte er Hans Dichand innerhalb von nur 10 Tagen knapp 350.000 € überreichen. Werner Faymann hat es ihm vorgemacht. Eingenistet im Enddarm der Kronen Zeitung lebt es sich als Politiker leichter. Und niemand hat mehr Geld zur Verfügung als die Stadt Wien. Nach dem doch recht üppigem Weihnachtsgeschenk vor Jahreswechsel erhalten kleine Geschenke einfach die Freundschaft.

Es gibt Fälle, da ist selbst dem Bürgermeister, der im Budgetvoranschlag der Stadt ausgewiesene Gebarungsabgang von 800 Millionen Euro vollkommen egal. Während für sinnvolle Maßnahmen oft zuwenig finanzielle Mittel bereitgestellt werden, ist für Onkel Hans immer Geld vorhanden. Mehr als für alle anderen, wie eine Überprüfung der zum Thema Volksbefragung geschaltenen Inserate zeigt.

Ja, auch andere Zeitungen bekommen Geld. Die Anfütterung zwecks positiver Berichterstattung hat System. Doch lediglich „heute“ – geführt von Eva Dichand – konnte bei der Volksbefragung einigermaßen mithalten.

Zusammengefasst: Ein Ferrari für den Onkel – ein Mercedes für die Schwiegertochter – der Dacia Logan für den Rest.

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16 Antworten zu “Im Hintern der Krone – die SPÖ und die Wiener Volksbefragung (Teil 3)

  1. Vielen Dank für diese Darlegung der Zahlen.

    Aber auch andere Medien dürften von der SPÖ-Steuergeldverschwendung massiv profitiert haben. Allein in der Gratiszeitung „Heute“ finden sich seit 1.2. über 15 Inserate der Stadt Wien zur Volksbefragung und zu Serviceeinrichtungen der Stadt.

    Bei Interesse:
    http://www.thinkoutsideyourbox.net/?p=10039

  2. Man könnte diese Statistik auch durch die Reichweite der verschiedenen Printmedien und in Bezug auf die gewollte Zielgruppe der Inserenten bereinigen. Dann wäre daraus Schlüsse zu ziehen auch nicht mehr ganz so kurz gegriffen.

  3. Gewaltige Zahlen, na hoffentlich fallen den Häupl noch vor dem 10.10.2010 diese Zahlen noch ordentlich auf den Kopf.
    Mich würden die Gesamtkosten dieser perversen Befragung interessieren und dann aufzählen was alles Vernünftiges für die Menschen gemacht werden könnte.

  4. Wenn das mal nicht eine Sensation ist festzustellen das die Bewerbung für die Volksbefragung Geld kostet und das Inserate in der meistgelesenen Zeitung mehr kosten als in einer Zeitung die Niemand liest. Vielleicht wären die Grünen besser beraten statt sich über ach so suggestive Fragen zu beschweren und gleichzeitig peinlich suggestive Fragen zum Fluglärm auf Dreiecksständer (die in einer anderen Volksbefragung abgelehnt wurden – zeigt das Demokratieverständnis der Grünen) zu plakatieren sich selbst ernstzunehmen und sich an der demokratischen Mitbestimmung (die sie ja auch selbst immer fordern) mittels Volksbefragung zu beteiligen.

  5. @jürgen und robert

    selbstverständlich kostet die bewerbung einer volksbefragung geld, die entscheidenden fragen dabei sind jedoch – in wessen interesse findet die volksbefragung überhaupt statt und um wessen geld handelt es sich dabei.

    zur frage eins: diese volksbefragung findet einzig und allein im interesse der wiener spö statt – deshalb hat sie auch jede einzelne frage selbst entwickelt und genauso (suggestiv) gestellt, wie dies eben der fall ist.

    zur frage zwei: bezahlt wird die gesamte webung aus dem budget der stadt – in summe rd. 4,5, mio. euro für öffentlichkeitsarbeit.

    damit dies nicht so auffällig ist bedient sich die spö eines kunstgriffes. nicht die spö wollte die volksbefragung, sondern die „stadt“ – der plötzlich so etwas wie persönlichkeit eingehaucht wird – will diese. dass hinter dieser in dieser form personifizierten stadt einzig unter allein die spö steckt wird verschwiegen.

    schon jetzt haben wir in wien eine medienlandschaft, die in hohem maße von inseraten der öffentlichen hand abhängig ist (ohne stadt wien inserate gäbe es die zeitung ‚heute‘ nicht), umgekehrt hat insbesondere die kronen zeitung (aber auch andere medien) zumindest einen nicht zu vernachlässigenden einfluß auf die meinungsbildung.

    was gegenwärtig passiert, ist ein anfüttern der medien, zwecks schaffung einer mittelfristigen (10.10.2010) win-win situation von medien und wiener spö.

    und sorry, dass ist ein demokratiepolitischer skandal und reiht sich nahtlos ein in andere fälle der berlusconisierung österreichs.

  6. Nun, nur um nicht falsch verstanden zu werden – und ich denke das wurde ich, wenn mein Kommentar zur Beantwortung zusammengefasst wird mit jenem anderen, als hätte ich gleiches geschrieben -, nichts von all dem habe ich in Zweifel gezogen, lediglich den Schluss, dass die höheren Augaben für die Krone nur zurückzuführen wären auf die Liebe Häupels zu Dichand, die unterschiedliche Reichweite, etc. gar nicht miteinbezogen wird. Und das erscheint mir immer noch zu kurz gegriffen.

    • @jürgen

      sorry – wenn’s bei dir im sinne einer inhaltlichen gleichsetzung angekommen ist, war nicht so gemeint.

      dass auflage (reichweite) und insertionspreise miteinander korrespondieren liegt auf der hand. dies spielt allerdings dann keine rolle, wenn unlautere motive (und diese unterstelle ich der wiener spö in diesem fall ganz bewusst) ausschlaggebend dafür sind, in welcher art und weise die volksbefragung von anfang bis ende abläuft.

  7. Pingback: Gerhard W. Loub » Warum ich NICHT an der Volksbefragung teilnehme

  8. lieber herr margulies!
    habe über einen link im onlinestandard zu Ihnen gefunden und finde das wirklich letztklassig was Sie hier mit diesem eintrag versuchen.
    wie Sie seh ich mich auch als linker, und vermutlich finden wir beide die kronen zeitung ekelhaft. und ich gebe zu, auch mich widert es an, wenn die kronen zeitung geld vom staat bekommt.
    nichtsdestotrotz lesen in österreich 50% der leute die krone, in wien ist der anteil vermutlich noch höher; fast jeder der mit öffentlichen verkehrsmittel zu tun hat liest heute – also ist es nur logisch, dass diese grauenvollen medien am meisten geld bekommen.
    einfach irgendwelche zahlen hinzuknallen (mit statistik kann man bekanntlich alles beweisen) und dann daraus unreflektiert die schlüsse daraus zu ziehen, das ist eigentlich die methode der krone, nur dass es dort asylwerber sind die angepatzt werden, und bei Ihnen halt die konkurrenzpartei…
    anders gefragt: wie würden Sie es besser machen? (und sagen Sie mir nicht, sie würden garkeine volksbefragung machen weil es prinzipiell falsch is; mich interessiert ganz spezifisch wie sie das mit den inseraten – für welches thema auch immer – handhaben würden, weil sie ja in diesem eintrag explizit die inseratpolitik kritisieren)
    mfg

    • @onkel erwin

      der poster nach ihnen (albert) hat den zentralen punkt gut zusammengefasst. auch deshalb macht diese art der volksbefragung keinen sinn (demgemäß auch nicht die damit betriebene werbung)

      an der letzten volksbefragung in wien (kraftwerk freudenau, weltausstellung) erkennt man, ist das thema wichtig – gehen die menschen auch ohne 4,4 mio. euro öffentlichkeitsarbeit, ohne briefwahl und weniger annahmestellen in fast doppeltem ausmaß wählen.

      jetzt zur „regierungswerbung“ (bund und wien) im allgemeinen.

      in den wenigsten fällen geht es tatsächlich um information und der sachinhalt steht im vordergrund. in diesen fällen habe auch ich nichts gegen die information der bürgerinnen – von mir aus auch in der auflagenstärksten zeitung.

      meist handelt es sich jedoch um reine imagewerbung (z.B. briefe faymann und pröll, oder aber im dezember brauner und wr. stadtwerke) oder aber der infogehalt steht in keinem sinnvollen maßstab zu den kosten bzw. geht an der zielgruppe vorbei oder wäre anders viel günstiger zu realisieren. hier sind wir beim anfüttern.

      da wäre mir dann eine sinnvolle regelung über presseförderung lieber. soviel dazu in aller kürze.

  9. Lieber Martin Margulies!
    Im Grunde steht doch hier eigentlich die Behauptung im Text, dass die Volksbefragung nur veranstaltet wurde, um den Medien möglichts viel Geld für eine wohlwollende Wahlberichterstattung vorzuschießen. Oder habe ich da jetzt eine Spur zu viel zwischen den Zeilen gelesen?

    • @Albert

      Richtig zwischen den Zeilen gelesen, wenn gleich es auch noch den einen oder anderen zusätzlichen Beweggrund für die Wr. SPÖ gab.

      So wurde im Vorjahr Michael Häupl in einer Umfrage konstatiert, er wäre mittlerweile zu abgehoben, was mittels vb wett gemacht werden sollte.

      auch potentiell unangenehme Themen (Themen, die die SP-AnhängerInnenschaft spalten) sollten aus dem Spiel genommen werden.

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