Vermögenssteuer – jetzt erst recht

Die ÖVP als Schutzpatron der Vermögenden, Reichen und Superreichen. Ihr Generalsekretär Fritz Kaltenegger fordert im Standard vom 12.8.2010 eine diesbezügliche Garantieerklärung des Bundeskanzlers. Keine Vermögenssteuer.

Die SPÖ als schnelle Umfallerin. Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas erklärt im selben Artikel die Kapitulationsbedingungen für den eben erst am Parteitag beschlossen Antrag betreffend Wiedereinführung.

Wer sich das Verhandlungsergebnis zur Mindestsicherung ins Gedächtnis ruft erkennt schnell – verkauft und erledigt.

Dabei wär’s höchste Zeit. Immer mehr sickert durch was die Bundesregierung plant: Einsparungen beim Pflegegeld, bei der Kindergartenförderung, Streichung der 13. Familienbeihilfe. Um knapp eine Milliarde Euro soll im Sozialbereich gekürzt werden. Gleichzeitig sollen noch Länder- und Gemeindebudgets dramatisch gekürzt werden. Mit ungeahnten Auswirkungen auf Bildung, Gesundheit und Pflegevorsorge. (Eine ausgezeichnete Analyse von Markus Koza zu dieser Thematik finden sie hier)

Hauptsache der rot/schwarze Geldadel bleibt ungeschoren. Die ÖVP steht dazu – aus Überzeugung, die SPÖ verarscht ihre GenossInnen.

Vor kurzem erschien u.a. in der Kleinen Zeitung ein Auszug aus dem „Global Wealth Report“. Ein halbes Prozent aller ÖsterreicherInnen (knapp 40.000) besitzt zusammen mehr als 150 Milliarden Euro an liquidem (sofort verfügbarem) Vermögen. Das Gesamtvermögen dieser elitären Gruppe beträgt mehr als das Doppelte.

Das Vermögen der obersten 10% wächst und wächst. Waren es Schätzungen zufolge 2002 noch rund 700 Milliarden Euro, so stehen wir jetzt bei einer Billion. Eine Eins mit zwölf Nullen.

Eine einprozentige Vermögenssteuer brächte 10 Milliarden Euro und würde keinen einzigen Reichen in Not und Elend stürzen. Gleichzeitig bräuchten 90% aller ÖsterreicherInnen keinen Cent bezahlen. Und dennoch wären Bildung, Pflege, Pensionen, Gesundheitsvorsorge, soziale Wohlfahrt etc. auf Jahrzehnte abgesichert.

Könnte ich alleine entscheiden, die Vermögenssteuer käme besser heute als morgen. Denn wer gehofft hat angesichts der Wirtschaftskrise würde die ÖVP einlenken wird jeden Tag eines besseren belehrt. Und auch wer sich auf Faymann, Häupl und Rudas verlässt ist längst schon verlassen.

„Sollen doch die Armen die Krise bezahlen“ titelte ich vor einem Jahr. Ohne radikale Kursänderung läuft’s spätestens nach dem Tag der Wien Wahl (10.10.10) genau darauf hinaus.

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24 Antworten zu “Vermögenssteuer – jetzt erst recht

  1. Es wäre schön, wenn auch sie bevor sie ihre Beiträge online stellen ein wenig über deren Folgen nachdenken würden. Selbstverständlich freut sich das Volk, wenn die oberen 10% mal locker 10 Mrd. jährlich in die Staatskasse pumpen würden. Es ist aber wohl selbst ihnen klar das dies purer Populismus ist, und fatale Folgen nach sich ziehen würde.

    Eine einprozentige Steuer auf die Vermögen der oberen 10% wurde Zigtausende Arbeitsplätze vernichten, Kapital ins Ausland verschieben und Kapitalanhäufung (die für neue Arbeitsplätze notwendig ist) noch weniger interessant machen.

    Die Vermögen der oberen 10% sind die Unternehmen, die der Bevölkerung Arbeit verschaffen und unseren Wohlstand ermöglichen. Wenn also jedes Unternehmen jährlich 1% seines Werts an den Staat abliefert, wird wohl mittelfristig wenig davon übrigbleiben.

    Bitte mehr nachdenken, und ein wenig mehr Ehrlichkeit…..

    • Die Besteuerung von Vermögen ist in Österreich so weit unter dem internationalen Durchschnitt, dass hier beträchtlicher Spielraum besteht ohne Kapitalflucht befürchten zu müssen. Österreich ist sozusagen eine Steueroase. Damit muss endlich Schluss sein. Das ist auch Faktum.

      • Wenn man die Besteuerung von Vermögen vergleicht, sollte man allerdings immer parallel auch die Einkommensbesteuerung vergleichen. Die ist bei uns ungleich höher als in den meisten Ländern mit Vermögenssteuern.

        Das wirkliche Problem an den Vermögenssteuern (und deswegen hat man sie abgeschafft) ist aber (neben den Lenkungswirkungen), dass die Steuereinnahmen kaum den administrativen Zusatzaufwand übersteigen, der bei so einer Steuer erheblich ist…..

  2. Es ist aber auch ein Faktum, dass Unternehmen ihre Standorte nach möglichen Gewinnen aussuchen. Wenn wir viele internationale Unternehmen in usnerem Lad haben, dann ist das ein Indikator dafür, dass wir ihnen erlauben hier mehr Profit zu erwirtschaften als in anderen Ländern. Und das geht zweifellos auf Kosten der Umwelt und der sozialen Standards, wie die Praxis immer wieder sehr überzeugend zegt.

    Es ist völlig verkehrt die Vermögen internationaler Konzerne durch besonders gute Bedingungen für sie in unser Land locken zu wollen, denn derart gute Bedingungen für das große Kaptial sind zwangsläufig zu unserem Nachteil. Es wäre deutlich besser uns auf die Förderung nationaler Wirtschaftskreisläufe zu konzentrieren, wenn wir unser Wohlergehen und unsere Umwelt schützen wollen. Es hilft Nationen nicht im Geringsten sich für die reiche Elite zu Dumpingpreisen zu prostituieren.

    Es ist ein gutes Zeichen wenn Unternehmen nicht in Österreich investieren wollen weil es hier möglich wäre billig zu produzieren oder große Summen Geld zu horten. Der einzigen Gründe in Österreich Unternehmen zu führen sollten die Stabilität, die guten Fachkräfte und die soziale Stabilität in unserem Land sein. Wir sollten uns nicht weiterhin durch Dumping zu verlockenden Opfern für multinationle Konzerne degradieren!

  3. Das Vermögen der reichsten Österreicher stammt aber primär aus einheimischen Unternehmen, die Besitzer ausländischer Konzerne sitzen schließlich in der Regel woanders. Ich gebe ihnen völlig recht, dass Subventionspolitik für Großkonzerne zu Lasten der regionalen Wirtschaft und der Arbeitnehmer geht. Sinnvolle Rahmenbedingungen für jegliche Unternehmen allerdings sind eine Notwendigkeit, um Arbeitsplätze erhalten und den erarbeiteten Wohlstand der Bevölkerung nicht zu riskieren.

  4. Ich würde sagen, dass politisch gesehen nicht Arbeitsplätze, sondern Versorgung sichergestellt werden sollte. Dazu ist auch eine Verlagerung der Steuereinnahmen von Arbeit auf Ressourcenverbrauch sinnvoll. Niemand ist gierig nach Arbeit, aber alle brauchen ihre Grundversorgung. Es ist doch toll, wenn es uns durch Automatisierung gelingt weniger für mehr Produktion arbeiten zu müssen. Wir müssen uns dieser veränderten Realität nur durch eine Adaption unserer Umverteilung anpassen. Ein bedingungsloses Grundeinkommen wäre eine sinnvolle Maßnahme. Und dazu gibt es auch bereits gut ausgearbeitete ausgeklügelte Systeme.

    • Es tut mir wirklich leid aber dieses Wunschdenken ist nicht unbedingt neu. Ich dachte eigentlich das hätte sich mit dem Jahre 1989 auch für die allerletzten erledigt, aber die Welt vergisst sehr schnell.

      Ich halte dieses Modell letztlich für menschenverachtend, weil es die Natur des Menschen völlig ignoriert, und so tut als könnte man einen Menschen erschaffen der nur im Dienste der Gesellschaft lebt und arbeitet. Der Mensch aber strebt immer danach sich selbst und sein Umfeld höher zu bewerten als den Rest der Gesellschaft,

      Das kann man doch auch an der Politik wunderbar erkennen. In ALLEN Parteien kann man das Streben nach Macht, Einfluss und Geld letztlich nachvollziehen.

      Ich lehne jedenfalls jede Ideologie ab, die eine Änderung des Menschen hin zum Guten, Selbstlosen verlangt. Die Geschichte hat doch mehrfach gezeigt wo das endet….

  5. Herr Lehmann,

    mir ist nicht klar woraus Sie in meinen Anmerkungen die Idee ableiten, dass dazu der Egoismus abgeschafft werden müsse. Ich halte es viel mehr für in der Praxis erwiesen, dass es keinen Sinn macht so zu tun als würden gesellschaftliche Strukturen, die Egoismus nachteilig instrumentalisieren, zu einem befriedigenden Ergebnis führen könnten. Eben weil wir alle hauptsächlich daran interessiert sind, dass es uns selbst möglichst gut geht, ist ein bedingungsloses Grundeinkommen eine gute Idee. Niemand würde sich dann mehr für eine uninteressante, unbefriedigende Tätigkeit hergeben nur um seinen Lebensinhalt bestreiten zu können. Schließlich wäre der Quatsch dann nicht mehr nötig. Wir alle würden es zweifellos vorziehen Dinge zu tun, für die wir Anerkennung und Vergnügen statt Verachtung durch Geschädigte ernten. Leugnen Sie jetzt bitte nicht dass kollaborative Projekte ohne direkten Gewinn immer rascher um sich greifen: Immer mehr Leute setzen sich ehrenamtlich für Dinge ein, die ihnen wichtig und spannend erscheinen. Und dabei geht es nicht um Selbstlosigkeit, sondern eindeutig um ganz banale, persönliche Selbstentfaltung und Erfüllung…

  6. Ich teile ihre Ansichten zu den unbefriedigenden Ergebnissen unserer gesellschaftlichen Strukturen naturgemäß nur sehr bedingt. Ich bin jedenfalls der Meinung, dass schon im derzeitigen System jeder die freie Wahl hinsichtlich Ausmaß, Umfang und Art seiner Erwerbstätigkeit hat.

    Selbstverständlich setzt diese Wahl ein eigenverantwortliches Handeln in allen Lebenslagen voraus. Die Nutzung unseres Bildungssystems gehört ebenso dazu wie die Orientierung der Berufswahl nach den persönlichen Fähigkeiten. Fraglos aber wäre diese Wahlfreiheit durch ein bedingungsloses Grundeinkommen erhöht. Ein solches ist allerdings in einem leistungsfeindlichen System vollkommen unfinanzierbar.

    Immer mehr Menschen würden auf eine Erwerbstätigkeit weitgehend verzichten und sich von den (übriggebliebenen) Steuerzahlern finanzieren lassen. Die Tätigkeiten, die dann entsprechend niemand mehr ausführen will, müssten von einem enormen Zuwanderunsgschwung erfüllt werden. Auch diese Zuwanderer allerdings würden sich vom österreichischen Sozialstaat nur kurz instrumentalisieren lassen – sie würden nur allzubald das angenehme Grundeinkommen ebenso nutzen wollen wie die Einheimischen.

    Die Idee zum bedingungslosen Grundeinkommen ist nicht neu. In der von ihnen grforderten Form eines bedarfsdeckenden Grundeinkommens allerdings ist sie meines Erachtens vollkommene Utopie. Sie geht einerseits davon aus, dass die erwerbstätigen freiwillig den Wohlstand der anderen finanzieren, vor allem aber dass die „Beschenkten“ jemals mit dem Ausmaß der Grundsicherung zufrieden wären…..

  7. „Ich teile ihre Ansichten zu den unbefriedigenden Ergebnissen unserer gesellschaftlichen Strukturen naturgemäß nur sehr bedingt.“

    Welcher Natur gemäß?

    „Ich bin jedenfalls der Meinung, dass schon im derzeitigen System jeder die freie Wahl hinsichtlich Ausmaß, Umfang und Art seiner Erwerbstätigkeit hat. “

    Die dazu nötige Eigenverantwortichkeit wird nirgendwo im Schulsuystem beigebracht oder gefördert. Abgesehen davon ist es eine Farce von Eigenverantwortlichkeit zu reden, wo die sozialien Umstände in der Praxis keine Wahlfreiheit ermöglichen.

    „Ein solches ist allerdings in einem leistungsfeindlichen System vollkommen unfinanzierbar.“

    Im Gegensatz zu Ihnen halte ich das jetzige System für wesentlich leistungsfeindlicher als ein System mit bedingungslosem Grundeinkommen. Ich bin noch keiner Person begegnet, die es lange durchält ohne eine für sie spannende Herausforderung zu leben und freiwillig auf mögliche soziale Anerkennung zu verzichten.

    Die Faulheit, auf die Sie abzuzielen scheinen, ist meiner Beobachtung nach lediglich eine Folge aus dem misslichen Umstand, dass sich im Moment die meisten Leute genötigt sehen Arbeiten zu verrichten, die sie im Alltag quälen und überhaupt nicht motiveren bzw. inspirieren. Das ist nicht nötig. Und erfahrungsgemäß verrichten die selben Leute die selben Aufgaben wesentlich effizienter, besser und mit mehr Freude, wenn sie diese nicht tun müssen, sondern sie sich selbst aussuchen können.

    Es wäre sicher hilfreich sich etwas eingehender mit dem Thema zu befassen, bevor Sie das übliche, unreflektierte Schreckensszenario mit lauter „Sozialschmaotzern“ ausmalen…

    Es gibt bereits zahlreiche Kalkulationen wie ein bedingungsloses Grundeinkommen auch jetzt schon finanzierbar wäre. Eine gute Buchserie zu einem sogenannten wahlfreien Grundeinkommen ist: „Wolfs wahnwitzige Wirtschaftslehre“.

    Mehr Infos: http://www.initiative-grundeinkommen.ch/

    • Es gibt bereits zahlreiche Kalkulationen wie ein bedingungsloses Grundeinkommen auch jetzt schon finanzierbar wäre.

      Darf ich um einen Link oder eine Kurzfassung bitten? Nach meinen eigenen Berechnungen wären für ein Grundeinkommen von 1000€ für jedermann (also die Gesamtbevölkerung) gewaltige zusätzliche Einnahmen notwendig. Im Vergleich zu den entstehenden Kosten von 100 Mrd. Euro betrug das Bundesbudget von 2008 etwa 67 Mrd.

  8. Kalkulationen dazu finden Sie zum Beispiel im vierten Teil der Buchreihe: Wolfs wahnwitzige Wirtschaftslehre, Teil IV.

    Hier ist ein Link mit Erklärungen zu weiteren Finanzierungskonzepten:
    http://www.archiv-grundeinkommen.de/index.html#finanz

    Auch macht es keinen Sinn das gesamte Grundeinkommen zusätzlich zu rechnen weil es einen Großteil der gegenwärtigen Sozialausgaben ersetzen würde, für die durch ihre komplizierte Verteilungspraxis im Moment ein ganzes Heer von Beamt_innen bezahlt werden muß.

    • Ich habe vor einiger Zeit in einem kurzen Artikel eine Rechnung angestellt und bin auf ein deutliches Mehr an Kosten gekommen (auch die anschließende Diskussion ist durchaus lesenswert).

      Vielen Dank für die Links.

      • Die Rechnung geht aber offenbar davon aus, dass jeder ZUSÄTZLICH 1000 Euro erhält, statt von einem Sockelbetrag von 1000 Euro auszugehen. Somit ist sie nicht korrekt. Aber ich habe da nur ein paar Sekunden drübergesehen, vielleicht hab ich mich auch verlesen…

      • Der Artikel geht von einem bedingungslosen Grundeinkommen aus (dieselbe Existenzsicherung für jeden). Warum sollte die Rechnung dadurch nicht korrekt sein? Und in welcher Hinsicht? Um das „bedingungslos“ ging es doch in der obigen Diskussion…

        [Übrigens schätze ich das nicht besonders: Aber ich habe da nur ein paar Sekunden drübergesehen, vielleicht hab ich mich auch verlesen…]

      • Franz Gratzer

        Danke auch für den Hinweis auf die Diskussion. Die war durchaus interessant. Ich bin dann auch gleich dem darin genannten Link zu http://kwakuananse.twoday.net/stories/4293604/ gefolgt um noch mehr zu lesen… 🙂

      • Das ist eben die Frage. Grundeinkommen kann heissen, dass jeder 1000 Euro zusätzlich bekommt. Oder dass jeder MINDESTENS 1000 Euro bekommt.

        Einmal sieht die Grafik „Gesamteinkommen vs. Einkommen durch Job“ so aus:

        | /
        |/
        |
        ——–

        Das heisst, ich bekomme zusätzlich zu meinem Gehalt 1000 Euro.

        Für Grundsicherung sieht die Grafik so aus:

        | /
        |__/
        |
        ——-

        Diese Variante bedeutet: verdiene ich in meinem Job weniger als 1000 Euro so bekomme ich die Differenz draufgezahlt.

        Und das macht natürlich eine Lawine in der Gesamtsumme aus.

        [Übrigens schätze ich das nicht besonders: Aber ich habe da nur ein paar Sekunden drübergesehen, vielleicht hab ich mich auch verlesen…]

        Tja, ich bin wenigstens ehrlich und gestehe von Anfang an ein, dass ich Fehler gemacht haben könnte. Andere tun das nicht… 🙂

      • @Roland Giersig

        Natürlich kann Grundeinkommen verschiedenes heißen, aber im Artikel und in der Diskussion oben war von „bedingungslos“ die Rede – damit sollte doch klar sein was gemeint ist: Ein Einkommen in gleicher Höhe für alle ohne wenn und aber.

        Es geht nicht um ein Fehlereingeständnis, aber lesen Sie doch noch einmal was Sie oben geschrieben haben (Aber ich habe da nur ein paar Sekunden drübergesehen, vielleicht hab ich mich auch verlesen…). In meinen Ohren klingt das so: Ich mache mir nicht die Mühe genau zu lesen, schreibe aber trotzdem etwas dazu.
        Ich verstehe ja, dass man keine Zeit haben kann, aber dann antwortet man eben einen Tag später, es zwingt einen ja keiner dazu, oder?

      • Ich verstehe unter „bedingungslos“ nur, dass ALLE Menschen es ausbezahlt bekommen, unabhängig von Herkunft, Gruppenzugehörigkeit oder Einkommen. Ob es sich um ein Sockeleinkommen (wie in dieser Betrachtung) oder um ein Mindesteinkommen handelt, ist damit noch nicht hinreichend gesagt.

        Interessant wäre nun, die Finanzierbarket eines Mindesteinkommens von 1000 Euro zu untersuchen. Die schaut definitiv ganz anders aus, da die Mehrzahl bereits über diesem Betrag verdient.

  9. Nun ich bin der Meinung, dass auch „bedingungslos“ verschieden definiert werden kann: Alle zusätzlich oder alle mindestens. Daher kann ich Roland Giersig’s Einwand schon nachvollziehen…

    • Danke. 🙂 Ich erlaube mir, meinen ursprünglichen Einwand dahin zu korrigieren, dass die angestellten Berechungen durchaus korrekt sind, aber eben nicht die einzige mögliche Variante. Nachdem sich die Unfinanzierbarkeit dieser Variante herausgestellt hat, untersuchen wir doch die nächste Variante, das Mindesteinkommen.

    • Aber „mindestens“ ist doch eine Bedingung, die besagt, dass nur die etwas erhalten, die z.B. weniger als 1000 € verdienen (und das bedeutet wiederum, dass es eben nicht alle erhalten, oder nicht alle dasselbe). Die Höhe und der Erhalt sind also an Bedingungen geknüpft. Im Grunde ist es aber egal wie wir es benennen, solange klar ist, wer was wie meint, und berechnet.

      Aber: Das tatsächlich „revolutionäre“ wäre doch nur ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle ohne wenn und aber, weil es etwas leistet oder leisten soll, eine Art Menschheitstraum, nämlich ein Leben frei von materiellen Nöten, und den damit einhergehenden Zwängen (die Befürworter sehen das mit den heutigen technischen Errungenschaften zum ersten Mal ermöglicht).

      Die Unterstützung Bedürftiger leistet jedes andere Sozialsystem auch, wenn vielleicht umständlicher und weniger effizient. Mir kommt es daher immer ein wenig vor, dass hier alter Wein in neuen Schläuchen verkauft werden soll (also dass man etwas, das sich von dem Vorhergehenden gar nicht so wesentlich unterscheidet, einfach anders benennt).

      Der Unterschied zwischen dem Mindesteinkommen und dem „alten Sozialsystem“ ist doch im Grunde keiner: Diejenigen die bedürftig sind erhalten eine materielle Sicherung. Im Bezug auf das bedingungslose Grundeinkommen ist der Unterschied aber fundamental: Niemand müsste mehr für seine materielle Grundversorgung arbeiten gehen, also selbst Sorge tragen.

      Wir können gerne versuchen eine Rechnung für eine andere Art von Grundeinkommen oder Mindestsicherung aufzustellen. Bleiben wir einmal bei 1000€. Dann sollten wir uns einigen ob Kinder und Erwachsene das Einkommen beziehen sollen (oder man rechnet beide Möglichkeiten), und man müsste abschätzen, wie viele Menschen nach der Einführung das Grundeinkommen zusätzlich zu denen die schon jetzt als Bezieher gelten können, in Anspruch nehmen (ich denke es ist realistisch, dass bestimmte Beschäftigungen, denen man nur aus existenzsichernden Gründen nachgeht, fallen gelassen werden). Und natürlich müsste man wissen wer als Berechtigter in Frage kommt. Vielleicht finde ich am Wochenende Zeit…

  10. Ich würde das Konzept eines BGEs auch dann bedingungslos nennen, wenn Leute, die im Moment sehr viel mehr verdienen, dann mitunter sogar weniger erhalten. (Stichwort Negativeinkommen bzw. obere Einkommensgrenze.) Immerhin ist dann ja trotzdem sichergestellt, dass niemand weniger hat.
    Die Eleganz eines BGE liegt – im Vergleich zum jetzigen System – in seiner simplen Konstruktion (nicht in seiner Neuheit), die wenig Rechenaufwand zur Kalkulierung erfordert.

    So ein Konstrukt handelt sich natürlich den Vorwurf ein die Motivation für Mehrleistungen zu zerstören, aber ich halte das für ein längst widerlegtes Märchen (siehe: Dan Pink’s Vortrag über Motivation).

    Sehr viele Leute erbringen bereits jetzt wesentlich mehr unbezahlte Leistungen als entlohnt (zum Beispiel als ehrenamtliche Helfer_innen oder unbezahlte Überstunden im NGO-Sektor). Aus meiner Sicht ist Geld als Anreiz hauptsächlich für zwei Arten von Tätigkeiten sinnvoll:
    1) Solche, die entweder wirklich uninterressant oder unangenehm sind (dort kann Geld weiterhin einen Anreiz bieten).
    2) Solche, die von den Leuten, die sie ausüben, als sinnlos oder gar kontraproduktiv empfunden werden. Sie würden sie nicht tun, wenn sie nicht dazu genötigt wären um ihren Unterhalt zu verdienen. Es wäre ein Vorteil für unsere Gesellschaft diese Art von Arbeiten los zu werden.

    Meiner Erfahrung nach haben die meisten Menschen Anliegen, die sie gerne fördern würden. Weil sie aber unmittelbar Geld verdinen müssen, geht ihre Motivation und Inspiration in diesen anderen Bereichen völlig verloren.

    Eine wesentlich konstruktivere Art der Belohnung für gute Arbeit ist soziale Anerkennung, denn sie wird kaum für die Ausbeutung von anderen erreicht. Das funktioniert bereits bei Projekten wie der freien Software Bewegung (z. B. Linux) und Wikipedia ausgezeichnet…

    Eine Richtung, die ich allerdings als noch nützlicher als das BGE empfinde, berschreibt Jacque Fresco als Ressourcenbasierte Wirtschaft

    Wenn alle kostenlos ihre Bedürfnisse decken können, gibt es auch keine damit verbundene Kriminalität. (Die Wirtschaftskrise ist keine Ressourcenkrise, sondern lediglich eine Geldverteilungskrise, denn an den materiell vorhanden Gütern kann zum Beispiel auch keine Inflation etwas verändern.) Wo kein Mangel herrscht, können sich alle mit der viel spannenderen Weiterentwicklung befassen anstatt völlig unnötig gegen einander um ihre Statuserhaltung zu kämpfen.

    Wir haben mehr als genug. Wir müssen das Vorhandene bloß sinnvoll verteilen…

    • Die simple Konstruktion ist sicherlich ein Vorteil: Das sollte ja bei allen gesetzlichen, steuerlichen und sonstigen Regeln angestrebt werden.

      Eine große Schwierigkeit ist es m.E. tatsächlich abzuschätzen welche Entwicklungen einträten, gäbe es tatsächlich ein bGE. Gehen wir einmal davon aus, dass wir eine fast völlig automatisierte industrielle Produktion haben (in der Landwirtschaft sieht es wieder etwas anders aus), dann müssen nach wie vor alle Dienstleistungen gewährleistet werden, einfach weil wir sie benötigen: Polizei, Ärzte, Supermarkt, Installateur, etc.

      Ich glaube gerne, dass sich zahlreiche Menschen finden, die das freiwillig tun, skeptisch bin ich aber, wenn es um den Aufwand geht: Das, was ich freiwillig tue, soll mich nicht „auffressen“, d.h. mein Einsatz wird sich vermutlich in einem Rahmen halten, der nicht dem einer normalen Erwerbstätigkeit entspricht (es ist auch nicht notwendig). Für manche Angelegenheiten ist das belanglos, aber man stelle sich einen Arzt, oder eine Krankenschwester vor, die kommt und geht wie es gerade passt. Ich sehe gewisse Schwierigkeiten.

      Auch was die Kriminalität betrifft bin ich nicht ganz so optimistisch, weil es die ja nicht nur deshalb gibt, weil Menschen arm sind (Gier ist auch ein Faktor).

      In Summe kann ich mir vorstellen, dass wir eine Güter- und Nahrungsmittelproduktion schaffen können, die allen ohne Gegenleistung zu Gute kommt. Und dann? Damit sind doch nicht sämtliche Dringlichkeiten aus der Welt, die es in einer Gesellschaft zu lösen gibt. Das Beispiel Wikipedia oder Linux ist nett, geht aber am Wesentlichen vorbei.

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