Die Fremdwährungskredite der Stadt Wien

ÖVP, FPÖ und NEOS sprechen in Presseaussendungen anlässlich der Aufhebung des Mindestkurses Euro/CHF von 1:1,20 fast gleichlautend von € 300 Mio. höheren Schulden für die Stadt Wien. Auch Blogger wie alwacker würden es gerne genauer wissen. Finanzstadträtin Renate Brauner verweist darauf, dass Wien keine Verluste drohen. Was auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als zwei Seiten ein und derselben Medaille.

Ich möchte versuchen etwas Licht in die Materie zu bringen, vorweg jedoch meine ganz persönliche und auch die Position der Grünen bzgl. Finanzspekulationen.

Seit Beginn meiner Abgeordnetentätigkeit im Wiener Landtag und Gemeinderat im Jahr 2001 sind die Grünen immer gegen Spekulationen mit öffentlichen Finanzmitteln aufgetreten (Derivatgeschäfte, Fremdwährungskredite, Cross Border Leasing, …). Alle anderen Parteien – österreichweit sowieso, aber sogar in Wien – können das nicht von sich behaupten.

Seit Eintritt der Grünen in die Wiener Stadtregierung geht es uns im Interesse aller WienerInnen darum bestehende Risiken zu minimieren und keine weiteren einzugehen. Zweiteres ist einfach – man geht keine neuen Risiken ein. Daher gibt es seit Beginn der Grünen Regierungsbeteiligung keine neuen risikobehafteten Derivatgeschäfte und auch keine Ausweitung des Kreditvolumens in Schweizer Franken. Wien hat diesbezüglich auch als erstes österreichisches Bundesland gesetzliche Vorsorge getroffen.

Der Umgang mit Altlasten stellt sich da schon etwas schwieriger dar. Darauf möchte ich infolge eingehen. Wobei mir durchaus klar ist: was von manchen als vernünftige Vorgehensweise geschätzt wird, betrachten andere als Spekulation.

Fakten: Fremdwährungskredite Ende 2010

Mit Regierungseintritt wurde ein Rucksack von sechs offenen CHF-Fremdwährungskrediten übernommen.

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Wie unschwer zu erkennen, waren zum Jahresende 2010 (ein Monat nach Regierungseintritt) die Fremdwährungskredite der Stadt mit € 264 Mio. Buchverlusten im Minus. Besonders ärgerlich dabei: die beiden im Jahr 2010 noch vor der Wahl neu aufgenommenen Fremdwährungskredite. Handelt es sich bei den davor aufgenommen Krediten um Rollierungen, deren Ursprung bis ins Jahr 2002 zurückreicht, so wurden die beiden letzten tatsächlich im Jahr 2010 im Bewusstsein der Volatilität des Schweizer Frankens neu aufgenommen.

Fakten: Rollierung

Die CHF-Kredite der Stadt Wien sind endfällig. Dies bedeutet, dass erst am Ende der Laufzeit die gesamte Summe zurückbezahlt wird. Bis zur Tilgung der jeweils offenen Beträge fallen nur die regelmäßig zu leistenden Zinszahlungen an. Rollierung im Sinne der Stadt Wien – und auch hier im Artikel – bedeutet somit unter gleichbleibenden Kreditvolumen den Rückzahlungszeitraum zu strecken.

 

Was kann Wien, was ein Privater nicht kann

Rund 150.000 – 200.000 ÖsterreicherInnen haben einen Fremdwährungskredit in Schweizer Franken. Wessen Kredit in den kommenden Tagen abläuft, der/die ist dabei echt in der Bredouille. Denn in den seltensten Fällen kann ein Privater das, was die Stadt Wien ob ihrer Bonität tatsächlich kann. Den effektiven Rückzahlungszeitraum bei niedrigsten Zinsen defacto beliebig verlängern. Aufgrund dieser Tatsache hat Renate Brauner nicht unrecht, wenn sie meint, Wien würden keine Verluste drohen.

Und niedrigste Zinsen meint wirklich, wovon unsereins Normalsterblicher nur träumen kann. So betrug die Zinslast der Stadt Wien in den Jahren 2012, 2013 und 2014 für knapp zwei Milliarden Schweizer Franken zwischen 10 und 15 Mio. Euro bzw. zwischen 0,7% und 0,9% pro Jahr.

Dennoch hat die Opposition nicht unrecht was die Buchverluste betrifft – mit der Aufhebung der Mindestbindung des Schweizer Franken an den Euro und der damit verbundenen Kursveränderungen steigt die Schuldlast der Stadt – auch wenn es die Liquidität nicht beeinflusst.

Spekulation wider Willen

Mit Regierungseintritt war es unser Ziel die Fremdwährungskredite raschest möglich zurück zu führen. Die Wirtschaftskrise, die von 2010 bis 2013 der Stadt Wien massive Einnahmeverluste aus den Ertragsanteilen bei gleichzeitig steigenden Kosten für Konjunkturprogramme und Mindestsicherung bescherte, machte uns diesbezüglich einen Strich durch die Rechnung.

Auf Basis des von der SNB verkündeten Mindestkurses gekoppelt mit extremst niedrigen Zinsen (und einer bestehenden Zinsdifferenz zur Eurofinanzierung von 0,9%) wurde daher von einer sofortigen Drehung in Euro, welche schlagartig Mehrkosten von rd. 300 Mio. Euro verursacht hätte, abgesehen.

Gemeinsam wurde dennoch Vorsorge dafür getroffen um spätestens 2016 mit einer Abschichtung der offenen Fremdwährungskredite beginnen zu können. Auch wenn die Oppositionsparteien im Finanzausschuss immer wieder Kritik am Bestehen der Fremdmittelschuld äußersten, weder FPÖ noch ÖVP haben einer Verlustrealisierung durch sofortige Drehung der offenen Kredite in Euro das Wort geredet. Ganz im Gegenteil.

Im Rechnungsabschluss der Gemeinde Wien für 2013 findet sich ein Finanzschuldenbericht. Diesen zu lesen, sei allen empfohlen, die sich ausführlicher mit der Materie auseinander setzen wollen.

Wie weiter ?

Und damit wende ich mich tatsächlich auch an alle LeserInnen dieses Blogs. Letztendlich stellt sich dieselbe Frage wie 2010. Fremdwährungskredite auflösen und Verluste realisieren – oder aber bei niedrigsten Zinsen auf bessere Zeiten warten?

Am 31.12.2014 betrug die Fremdwährungsschuld der Gemeinde Wien € 1,657 Mrd. Die dafür jährlich zu leistenden Zinszahlungen lag 2012 bei € 14,44 Mio. und 2013 bei € 12,11 Mio. Die Zahlen für 2014 liegen mir nicht exakt vor, liegen jedoch voraussichtlich unterhalb der Zahlen für 2013.

Die jetzige Aufwertung des Schweizer Franken würde die Zinszahlungen für 2015 bei gleichbleibendem Zinsniveau im Verhältnis zur Finanzschuld minimal erhöhen.

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Durch die Änderung der Politik der SNB beträgt die offene Frankenrestschuld gegenwärtig rd. € 1,993 Mrd. (etwas weniger als 40% der Gesamtschulden Wiens)

Für meinen persönlichen Nachdenkprozess spielt die Einschätzung der wirtschaftspolitischen Auswirkung eines starken Franken auf die Schweiz, und der damit verbundenen Einschätzung von Wechselkurs und Zinsentwicklung ebenso eine Rolle, wie die Möglichkeiten der Stadt auch weiterhin im Franken zu bleiben und damit einer Verlustrealisierung entgegen zu treten.

Die Situation ist für Wiens Finanzen unangenehm. Für überzogene Panikreaktionen besteht jedoch keinerlei Anlass. Es ist mE daher sinnvoll und notwendig sich Zeit zu nehmen und in Ruhe über die nächsten Schritte nachzudenken. Dabei würde mich auch ihre Meinung interessieren.

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23 Antworten zu “Die Fremdwährungskredite der Stadt Wien

  1. an welchen indikator sind die kredite gebunden?
    wie genau sind die bedingungen z.b. schweizer 3 monats libor plus x%?
    wie sehen die bedingungen bei negativzinsen aus?
    mmn. zuwarten, glaub kaum dass die schweizer wirtschaft und va der tourismus diesen kurs auf dauer überleben kann

  2. Im Endeffekt ist jeder Umgang mit den Krediten eine Wette (sowas wie ein ganz grosses Glücksspiel sozusagen). Und auch die Gemeinde Wien macht jetzt nix anderes als jeder Glücksspieler auch: Nach einer verlorenen Runde (Wette auf den Wechselkurs) den Einsatz vergrössern (buchhalterisch höhere Schulden), in der Hoffnung, die nächste Runde (Wette, dass sich der Wechselkurs auf Grund writschaftspolitischer Notwendigkeiten wieder verschiebt) zu gewinnen, und damit den Verlust aus der vorigen Runde wieder zu kompensieren. Aber wie jeder Spieler auch weiss: 1. geht das nur solange gut, solange man noch was zum Einsetzen hat (im Fall der Stadt die Bonität == Geld das noch zu erwirtschaften ist („Das Geld der Kinder“ wie es oft so schön heisst)) und 2. kann natürlich auch die Runde verloren gehen (Kurs verschiebt sich noch ungünstiger oder die Zinsen steigen).

    Was unter dem Strich bleibt: Diese Kredite sind eine Wette und die politische Frage ist: Trauen wir uns nach den Verlusten weiter wetten, dass es besser wird? Ich persönlich würde nach den Erfahrungen der letzten Jahre sagen: „Nein“. Denn angesichts der vielen falschen Prognosen, auf denen die Wetten der Vergangenheit basiert sind, würde ich mich auf diese eher nicht mehr verlassen.

  3. Hallo Martin, Danke für den interessanten Beitrag mit konkreten Zahlen.

    Nun kann ich nicht umhin, zu fragen: Wo liegt der Unterschied zwischen „Spekulation“ und „Einschätzung der wirtschaftspolitischen Auswirkung (…) und der damit verbundenen Einschätzung von Wechselkurs und Zinsentwicklung“?

    Waren es nicht genau solche (leider falschen) Einschätzungen, die die Frankenkredite in Mode gebracht haben?

  4. Hat dies auf akinblog rebloggt und kommentierte:
    Die Antwort an Alwacker und andere – im Wahljahr beginnt M. Margulies endlich wieder über die Macheloikes in der Wiener Finanzpolitik zu bloggen… Zeit ist es geworden, aber kritischer könnte es schon wieder werden – trotz Regierungsbeteiligung!

  5. Danke für den Versuch der Aufarbeitung und für den hilfreichen Link zum Finanzschuldenbericht. Ihre Ankündigung, dass ab 2016 CHF rückgeführt werden sollen steht in Widerspruch zu Renate Brauner, die die Verluste ja nie realisieren will, weshalb sie ja durch Magie nie entstehen.

    Der darin und von Ihnen übernommene Zinsvorteil durch den CHF von 0,9% gegenüber Euro ist falsch (und bestenfalls die Hälfte) weil

    – hier Eurokredite mit einer durchschnittlichen Restlaufzeit von 8,6 Jahren mit einer der Frankenkredite von nur 2,7 Jahren verglichen werden
    – der CHF-Anstieg auch zu höheren Zinszahlungen auf Eurobasis geführt hat.

    In Euro könnte die Stadt Wien sich derzeit außerdem durch das stark gefallene Zinsniveau langfristig erheblich günstiger finanzieren als die alten, noch laufenden CHF-Finanzierungen mit Zinssatz 0,75% Für 10jährige Euro-Bundesanleihen werden derzeit 0,49% bezahlt (5 jährige 0,0%).

    Obwohl die Stadt Wien derzeit praktisch null (!!!) Zinsen für Euro-Kredite bezahlen müsste, sollen die 273 Mio. CHF, die noch 2015 fällig sind wieder in Franken aufgenommen werden? Und dann gleich 769 Mio. CHF im Jahr 2016???
    Wo bitte ist der Sinn in weiteren Frankenkreditaufnahme in diesem Umfeld außer in einer puren Währungsspekulation auf Steuerrisiko? Dem Steuerzahler erzählen zu können, dass verlorenes Geld nicht weg ist, es in ihren Budgets nicht vorkommt (außer langfristig durch steigende Zinsen und schlechtere Bonität)?

    Die wirkliche politische Agenda wäre es die Rahmenbedingungen so zu adaptieren (nicht nur für Wien sondern auch die übrige Körperschaften), dass derartige stille Kursverluste ins laufende Budget einfließen, damit sie auch transparent zugeordnet werden können und nicht einfach still im Hintergrund die Schulden ins Unendliche wachsen und die Budgets sauber aussehen.

  6. martin margulies

    Eine kurze Antwort zu den bisherigen Kommentaren.

    Zunächst einmal Danke für die sachliche Diskussion – ist leider nicht immer so. Und gleich darauf ein kleiner Hinweis auf die Zwischenüberschrift „Spekulation wider Willen“.
    Ich bin mir dessen bewusst, dass eine Entscheidung die „Verluste nicht zu realisieren“ sondern „im Franken zu bleiben“ spekulativen Charakter in sich trägt, wenngleich ich in dieser Frage den Vergleich mit Casinos als übertrieben empfinde. Insbesondere weil nicht nur die Verantwortlichen der Stadt Wien sondern viele andere mE zurecht davon ausgegangen sind, dass auf das Wort der SNB Verlass ist. (@Ulrich Kiermayr und @Daniel AJ Sokolov). Der allgemeinen Glaubwürdigkeit von Noten- und Zentralbanken hat diese Vorgehensweise bestimmt nicht genützt. Und genau deshalb auch die Frage nach „ihrer Meinung“.

    ergänzend @sg: ich teile ihre Einschätzung betreffend Tourismuswirtschaft, betreffend Indikator und Negativzinsen fehlt mir die notwendige Information, letzter Zinsatz bei der Aufnahme von Barvorlagen war 0,25%.

    @Alexander Proschofsky – die geplante Rückführung wurde nicht nur unverbindlich besprochen sondern auch im Sinne des gesamtstaatlichen Schuldenmanagements dem Finanzminister mitgeteilt. Für den jährlichen Budgetvollzug (bzw. für den Rechnungsabschluss) ist die Restdauer der offenen Kreditlinien mE sekundär. Der Finanzschuldenbericht spricht für 2012 von durchschnittlichen Fremdwährungszinsen von 0,87% (Euro 1,74%) und für 2013 von 0,75% ggü. 1,65%. Die Zahlen von 2014 liegen mir nicht vor – jedoch ist in beiden Fällen ein weiterer Rückgang anzunehmen. Da Ende 2013 der größere Teil der Eurozinsen fix verzinst war, ist nicht anzunehmen, dass dieser gap 2014 geringer wurde.
    Für gegenwärtig aufgenommene Darlehen gilt jedoch, dass Euro- und Frankenzinsen fast ident sind. Die von ihnen angemerkte steigende Zinsbelastung durch den Anstieg des Wechselkurses, wird auch von mir im Text angemerkt.

    ME sind Kursgewinne und Kursverluste im Rechnungsabschluss der Stadt Wien seit vielen Jahren recht gut abgebildet (schließlich war mir der Umgang mit Schweizer Franken schon 2002 unter Sepp Rieder ein Dorn im Auge, wobei die Stadt Wien in folge der Abwertung des Franken ggü. dem Euro noch mit einem blauen Auge ohne Verluste davon kam). Es fehlt jedoch – und da gebe ich ihnen recht – das Pendant der Einbeziehung in eine Gewinn- und Verlustrechnung.

    Ich hatte gehofft, dass meine persönliche Ambivalenz zur weiteren Vorgehensweise zum Ausdruck kommt. Nichts desto weniger macht es Sinn unterschiedliche Szenarien ausführlich zu besprechen, um dann für Wien hoffentlich eine sinnvolle und richtige Entscheidung betreffend der weiteren Vorgehensweise zu treffen.

  7. Die Entscheidung ob man spekuliert oder nicht fällt ja nicht nur in dem Momement, in dem man einen Frankenkredit das erste mal aufnimmt (oder zum x.ten mal um einen ablaufenden zu „rollieren“).

    Die Entscheidung fällt jeden Tag von neuem, denn jeden Tag hat man die Möglichkeit zu halten oder auszusteigen.

    Die Stadt Wien hat nie aufgehört in Franken zu spekulieren – auch unter rot-grüner Koalition nicht.

    Das Ergebnis kennen wir: noch ein paar hundert Mio Euro Verlust für die Wiener.

    Ob niedrige Zinsen hier, unverlässliche SNB da, was auch immer: es kann so kommen oder auch anders. Spekulation eben.

    Politisch kann man mit dem Thema nicht gewinnen, nur verlieren. Also seht zu dass wenigstens politische Verantwortung übernommen wird und diejenigen die das eingebrockt haben jeden einzelnen in den Sand gesetzten Cent mit Wählerstimmen bezahlen. Das ist euer Job, nicht beim Spekulieren den Komplizen machen.

  8. @martin, bitte die genauen konditionen hinterfragen, sollte (hoffentlich) nicht so schwer sein für die 6 chf kredite die vereinbarungen bzw. den vertrag zu bekommen!?

    vor allem hinsichtlich neg. verzinsung!

    da könnte bei all den turbulenzen, die’s derzeit auf den märkten gibt, die paradoxe situation eintreten, dass die stadt wien geld für die chf kredite bekommt…

    „standard“ privat chf kredite hatten/haben zumeist die vereinbarung chf 3 monats libor plus aufschlag, sollte der im fall der stadt wien irgendwo bei 0,5-0,75% liegen könnte dieser fall durchaus eintreten.
    chf 3 monats libor derzeit bei -0,42!
    siehe auch hier
    http://de.global-rates.com/zinssatze/libor/schweizer-franken/schweizer-franken.aspx

    wird auch spannend wie banken bzw. die software mit dieser situation umgehen (können)

    ansonsten sollte man mmn. überlegen: in den sauren apfel beissen und den jährlichen zinsvorteil in eine absicherung investieren um das chf risiko abzubauen. bei der derzeitigen zinssituation sollten ja 2015 so gut wie keine zahlungen anfallen…

  9. Pingback: Mein Sanierungskonzept für die Stadtfinanzen | alwacker

  10. Warum wurde in 2014 nicht in EUR konvertiert ?!

    Die SNB hat allen CHF Schuldnern (privat und institutionell) über 3 Jahre lang die Möglichkeit gegeben, zu einem „fixen“ Kurs von 1.20 zu konvertieren. Warum das im Jahr 2014 die Stadt Wien (genauso wie andere Schuldner) nicht gemacht haben, kann ich auch nicht verstehen (aber vielleicht überseh ich da ja auch was).

    In 2014:
    – waren die EUR Zinsen nicht wesentlich höher als die CHF Zinsen (die vertraglich fixierte Referenzrate war was ?)
    – war volkswirtschaftlich ziemlich offensichtlich, dass die CHF Wirtschaft deutlich stärker als die EUR Wirtschaft war/ist und die Untergrenze bei 1.20 eine künstliche war. Die Wahrscheinlichkeit einer Abwertung des CHF war gegen null, die einer Aufwertung aber annähernd an 100%

    Also warum wurde da dann nicht konvertiert ?

    lg christoph

  11. Ich finde den Beitrag sehr informativ und auch ehrlich aufgearbeitet.

    Mir ist aber trotzdem, warum die Wiener Grünen gegen das kleine Glücksspiel sind aber das große (= Fremdwährungskredit) spielen. Niemand kann nicht sagen, ob in 3 Jahren das Verhältnis der Währungen zueinander sich wieder zu unserem Ungunsten verändert.

    Grundsätzlich bleiben Fremdwährungskredite eine Spekulation. Mir wäre als Steuerzahler lieber, wenn meine Stadtregierung NICHT spekuliert sondern übliche Euro-Zinsen bezahlt (selbst bei doppelt so hohen Zinsen). Das kostet natürlich mehr Geld; keine Frage. Aber diese Zusatzkosten – und das ist jetzt nicht polemisch gemeint, sondern ernst – sind wirklich überschaubar. Wenn Wien das Werbebudget nur um 25 % verringern würde, sind diese rund 12 Mio. Euro einsparbar.

    Das durchzusetzen fände ich aus grüner Sicht vielversprechend. Wäre zwar ein Null-Summenspiel, aber man hätte weniger Werbekosten und weniger Fremdwährungsrisiko – dafür allerdings mehr Zinskosten.

    Sollte man das für die evtl. nächste Rot-Grüne Koalition nicht andenken?

  12. lieber martin, vielen dank für den beginn dieser seriösen diskussion.
    als ich das erste mal von den verlusten der gemeinde wien hörte, war meine erste reaktion, wieso haben sie (die gemeinde wien) das risiko nicht „eingesperrt“. jeder „stinknormale“ treasurer eines unternehmens versucht sein risiko zu minimieren, es hätte ein call und ein put gekauft werden können, das hätte zwar etwas gekostet, aber das politische risiko, das jetzt schlagend geworden ist! hätte vermieden werden können.
    es stimmt, was manche oben schreiben, das ganze ist spekulation! wenn man den kredit (oder was für eine konstruktion das eben ist oder war) rollt, könnte er, wenn er ad infintum einen sog. perpetual daraus machen, d.h. man bezahlt die zinsen, der principal (die aufgenommene kreditsumme) wird irgendwann einmal bezahlt. solche konstruktionen gibt es, sind aber sehr selten. in einem solchen fall hat man in der tat dann kein kurzfristiges risiko. man kann darauf wetten (!), hoffen, dass sich der sfr vs dem euro irgendwann einmal wieder abwertet und das als gelegenheit nimmt, den prinzipal zu tilgen.
    wenn es aber, wie du erwähnst, einen beschluss gibt, dass das ganze ding rückgeführt werden soll, dann ist die perpetual-theorie hinfällig, weil irgendwann in naher zukunft, das ding gedreht werden soll. natürlich wird man das nicht auf einmal machen, höchstwahrscheinlich in mehreren teilen. dazu gehört marktkenntnis, aber auch glück dazu.
    da stellt sich aber wieder die frage von oben, wieso man das ding nicht „eingesperrt“ hat. offensichtlich hat man ja dem finanzminister vor einiger zeit versprochen die sfr-kredite zu tilgen, das risiko rauszunehmen. wieso hat man nicht für diese veränderte strategie vorgesorgt?
    zudem stellt sich auch die frage der bewertung des kredits (dings)? nach mark-to-market, wie deine statistiken oben darstellen oder altes hgb niederstwertprinzip. man kann mit beiden prinzipien schön tricksen. bei krediten, die nicht notiert sind, muss man einen vergleichsmaßstab oder ein mark-to-model heranziehen und dann einen wirtschaftsprüfer finden, der das ganze absegnet, beim hgb ist das etwas leichter (einstandspreis oder niederstwertprinzip). kann man das aber in einer öffentlichen institution wie der gemeinde wien, machen? doralt ist da recht zu geben, es hat transparenz zu herrschen. die vorschriften des rechnungslegungsG sind einzuhalten.
    wieso hat man nicht auf die vielen warnungen der oenb, die das seit jahren ununterbrochen predigt, in dieser frage gehört? hände weg von sfr- und yen-krediten!
    aber offensichtlich haben die nö nicht gescheiter agiert.
    sorry, lieber martin, aber von diesen aktionen der gemeinde wien, wer immer auch dafür verantwortlich ist, bin ich nicht überzeugt.
    lg fritz

  13. Sehr präzise Darstellung. Meine Einschätzung: zu spät, um sofort aus-/umzusteigen. Prognose: schwierig! (Griechenland, EZB-Politik, US-Zinspolitik….) In Vorarlberg hat das Land null CHF Schulden, die Gemeinden in Summe 200 Mio – die stehen vor einem ähnlichen Problem. Mein Gefühl: Kurs wird sich auf Sicht bei 1.10 einpendeln…
    LG – johannes

  14. Pingback: Die Fremdwährungskredite der Stadt Wien – Teil 2 | martins linksblog

  15. Weil es ein bisschen unvollendet war: wie steht eigentlich um eine vernünftige Bilanzierung des Wiener Gemeindehaushals? Haben die Grünen sich hier in der vergangenen Legislaturperiode stark Gemacht? Meines Erachtens nach ein untragbar Zustand nach den Erfahrungen mit dem Umgang mit Steuergeld der letzten Jahre.

  16. Christoph Geisler

    Würde man die Rollierung ohne Ende weiterführen können, dann ist es wohl am Besten die Frankenkredite nie zurückzuzahlen. Viele Schweizer Häuselbauer kennen dieses Konzept. Da dies aber von der Bonität der Stadt Wien abhängen dürfte, wäre ein langsames Umschichten in Eurokredite über einen Zeitraum von 30 bis 50 Jahren angebracht.

  17. Pingback: Rollieren rückwärts | gehoertgebloggt

  18. Der Leitzins (Libor CHF) liegt mittlerweile bei -1 %. Bekommt Wien jetzt sogar Geld dafür, weil sie Kredite in Schweizer Franken haben?

  19. Privatkredite und Bankkredite zur freien Verwendung auch bei negativen Einträgen möglich. Ein fixes Einkommen ab €1000.- monatlich wird vorausgesetzt.

  20. … und mittlerweile hat sich die Stadt Wien durchgerungen den Kredit zurückzuzahlen und ALLE Schulden zu realisieren. Das heißt es kam zu einem großen Verlust 😦 Da half es auch nichts, dass die CHF-Kredite der Stadt Wien endfällig waren. Auch erst am Ende der Laufzeit die gesamte Summe zurückbezahlt hätte werden müssen, war dies wohl ein zu hoher Unsicherheitsfaktor

  21. es ist doch immer wider bedauerlich wenn man rückblickend aus Regierungsicht einen Fehler eingestehen müsste! Schaut euch doch alle mal den Kurs zwischen EUR und CHF heute im Vergleich zu damals an. Hätte die Stadt Wien hier etwas zugewartet dann wäre es insgesamt natrülich günstiger für den Steuerzahler gekommen. Aber ist ja nicht deren Geld gelle :.-)

  22. Liebe Leser!

    Denn jeder Kreditnehmer von Fremdwährungskrediten möchte sein Verlustrisiko möglichst gering halten. Dies kann teilweise mit Versicherungen abgedeckt werden.
    Viele Grüße,
    Robert Hentschel http://www.privatkredit-wien.at/
    P. S.: nachher ist man immer klüger!

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