Sorry Genossen, so geht’s nicht !

Alle die jetzt glauben es gehe um’s Burgenland und rot-blaue Liebeleien muss ich leider enttäuschen. Es geht auch nicht um Abgeordnetenkauf und Korruption, wenn gleich eine gewisse Nähe vorhanden ist. Es geht um versteckte Parteienfinanzierung.

Meinungsumfragen sind Teil der Wahlkampfvorbereitung. Parteien, die sich dieses nicht gerade günstige Unterfangen leisten können bzw. wollen, machen welche. Mehr Information bietet auch mehr Chancen – zumindest glauben wir das alle.

Doch weil dies alles viel Geld kostet, ist jede Meinungsumfrage gut überlegt, letztendlich sogar jede Frage. Außer es zahlt jemand anderer. Und da scheint der Wiener SPÖ eine grandiose Idee gekommen zu sein.

Jetzt zu wissen, was WienerInnen bewegt, bietet einen nicht zu unterschätzenden Startvorteil. Von den Leistungen der Stadt im Bereich Kindergarten und Schule über Feuerwehr, Rettung, Wasser und Müllabfuhr bis hin zu Umwelt, Verkehr, Lärmbelastung und Sauberkeit in den Öffis. Fragen nach dem Zusammenleben mit MigrantInnen fehlen ebenso wenig, wie welche nach  dem Image der Stadtverwaltung.

Verknüpft mit sozialem Status, Wohnumfeld, Staatsbürgerschaft, Einkommen und Sonntagsfrage (Parteienpräferenz) erhält man dabei eine aussagekräftige Datenbasis, die nicht gerade billig ist. Kostenpunkt je nach Anzahl der Befragten und differenzierter Auswertung einige zehntausend Euro.

Wen könnten all diese Fragen noch interessieren? Dies hat sich wohl ein findiger sozialdemokratische Kopf gedacht. Um die Kosten abzuwälzen und dennoch exlusiv informiert zu sein? Die Antwort ist so einfach wie genial: Die Stadt Wien selbst.

Um als Stadt Wien eine Umfrage zu beauftragen, benötigt man keine Zustimmung des Koalitionspartners. Man muss auch niemanden informieren. Weder bei Anzahl und Inhalt der gestellten Fragen noch bei Umfragesample und Auswertung. Und mittels Stadtrat und Bürgermeister hat man sogar direkten Zugriff auf den hierfür zuständigen Presse- und Informationsdienst.

Wie zufällig erhält damit die Sozialdemokratie exklusiv alle Informationen der gegenwärtig laufenden Umfrage*. Gänzlich kostenlos. Schließlich bleibt einmal erworbenes Wissen, ganz gleich welchen Hut ich aufsetze, vorhanden. Alle anderen schauen durch die Finger.

Liebe Wiener SPÖ. So geht es nicht. In meinen Augen ist das versteckte Parteienfinanzierung. Vielleicht habt ihr das immer schon so gemacht – nur das zählt jetzt nicht mehr. Ihr seid nicht allein in der Regierung und ich will nicht, dass euer Verhalten ein schlechtes Licht auf uns wirft.

Der Schaden ist angerichet – aber machen wir noch das Beste daraus. Daher ein Vorschlag oder besser gesagt zwei Forderungen an euch:

1. Sämtliche erhobenen Daten werden in Form verwendbarer Rohdaten für alle Interessierten seitens der Stadt Wien so schnell wie möglich zum Download bereit gestellt. Dies gilt auch für alle von der Stadt Wien beauftragten Auswertungen dieser Umfrage.

2. Die Wiener SPÖ übernimmt im Sinne tätiger Reue die Kosten der gesamten Befragung.

* Die angesprochen Meinungsumfrage wird gegenwärtig im Auftrag der Stadt Wien von MAKAM Research durchgeführt. Kenntnis von der Umfrage erlangte ich mittels Information durch aufmerksame BürgerInnen.
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