Der letzte Akt in Sachen Compress

Mit dem heutigen Tag stellt der Wiener Gemeinderat die gesamte Auslandskommunikation der Stadt auf neue Beine. Mit 31.12.2015 ist der Compress Verlag Geschichte. Und das ist auch gut so.

Zu viele Fragen blieben in der Vergangenheit offen. Von der längst überfälligen inhaltlichen Adaptierung bis hin zur Finanzierung. Gänzlich unkontrolliert erwirtschaftete der Compress Verlag auf Kosten der Stadt Wien im vergangenen Jahrzehnt einen Gewinn von 40 Millionen Euro. Was damit passierte, bleibt bis heute im Unklaren.

Im veränderten europäischen Umfeld stellt die Auslandskommunikation der Stadt Wien eine zentrale Aufgabe und einen zentralen Wert da. Für uns Grüne stand diese daher nie in Frage. Auch deshalb bin ich froh darüber, dass sich mit dem heutigen Beschlusse einige für uns zentrale Punkte positiv verändern werden.

  1. Die Stadt Wien macht’s via wienholding wieder selber. Dies hat unbestreitbar den Vorteil, dass sämtliche die Auslandskommunikation betreffenden Vorgänge hinkünftig der umfassenden Kontrolle des Stadtrechnungshofes unterliegen.
  2. Statt eines zehn Jahresvertrages läuft die kommende Zusammenarbeit zunächst nur für die nächsten beiden Jahre.
  3. Es kommt zur längst geforderten Überarbeitung der Auslandskommunikationsstrategie. Damit einher geht auch eine organisatorische Adaptierung. Schließlich hat sich in den vergangenen 15 Jahren im Bereich IKT einiges verändert. Die kommenden beiden Jahre sollen genutzt werden Aufgaben und Standortfragen einer endgültigen Klärung zuzuführen.
  4. Das Flughafenmagazin enjoy“ wird nicht mehr von der Stadt finanziert. Weshalb seitens der Stadt dem Compress Verlag dafür im Zuge des Gesamtauftragsvoluminas jährlich einige 100.000,- Euro überwiesen wurden, lässt sich leider nicht mehr auflösen.
  5. In Zeiten allgemeiner Budgetknappheit werden € 5 Mio. eingespart. € 14,5 Millionen jährliche Kosten reduzieren sich um mehr als ein Drittel auf € 9,5 Millionen. Daraus resultiert jedoch keinesfalls zwingend eine Leistungseinschränkung – ergibt sich die Einsparung doch fast zur Gänze aus dem Wegfall von „enjoy“ sowie der bisherigen Gewinnkomponente.
  6. Für die meisten der bisherigen MitarbeiterInnen des Compress Verlages sollte sich damit kurz vor Weihnachten noch die Chance auf ein happy end betreffend ihrer Arbeitssituation ergeben.

Was bleibt, ist ein schaler Nachgeschmack betreffend des Compress Verlags. Aber es ist nicht Aufgabe der Politik neben Aufdecker auch noch  Ankläger und Richter in Einem zu sein. Und damit ist für mich persönlich an dieser Stelle auch Schluss. Vielleicht findet sich jemand anderer, vielleicht auch nicht. Unterlagen zum Weiterfragen finden sich am Handelsgericht, auch wenn die Bilanzierungsvorschriften seit dem Jahr 2006 das Recherchieren deutlich erschweren. Bieten doch Bilanzen seit 2006 für mittlere Unternehmen kaum mehr aussagekräftige Zahlen.

Wie bei vielen anderen Skandalen wären eigentlich Medien gefordert gewesen, unabhängig zu recherchieren und zu berichten. Bis auf wenige löbliche Ausnahmen geschieht dies kaum mehr. Gerade betreffend Compress habe ich in den vergangenen Jahren aus der medialen Berichterstattung so gut wie nichts erfahren, was mir zu diesem Zeitpunkt nicht schon bekannt gewesen wäre und mir bei meiner weiteren Recherche geholfen hätte. Insbesondere in der Vorwahlzeit hatte ich den Eindruck jegliche kritische Berichterstattung über Compress wäre weginseriert.

Wir stehen jetzt mit rotgrün zwei am Beginn einer neuen Regierungsperiode. Mit Blick nach vorne wird die Auslandskommunikation neu aufgestellt. Die kleine, bislang auch an Compress interessierte Gemeinde wird jetzt vielleicht mit diesem Ergebnis nicht ganz glücklich sein. Ich hoffe jedoch, ihr könnt meinen Schritt zumindest nachvollziehen.

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