Kultur ist nicht umsonst

Offener Brief an die Wiener Linien!

Sehr geehrte Damen und Herren!

Mehr Sicherheit durch Kunst und Kultur. Ein toller Ansatz und endlich einmal auch etwas anderes als immer nur nach „noch mehr Polizei oder Security“ zu schreien. Damit diese Idee nicht schon im Ansatz konterkariert wird habe ich jedoch eine große Bitte.

Werft die von euch vorgeschlagenen Teilnahmebedingungen so schnell wie möglich in den nächsten Mistkübel und überlegt euch doch bitte, wie man diese an sich gute Idee auf sinnvolle Beine stellen kann.

Es ist nicht in Ordnung von KünstlerInnen zu erwarten, dass sie mehrmals pro Woche für je 1,5 Stunden live auftreten und ihnen dafür nichts zu bezahlen.

Wäre es das Ziel der Wiener Linien Kunst und Kultur zu fördern, könnten wir bei einem veränderten Auswahlverfahren (wo sich die Wiener Linien lediglich auf die Platzvergabe beschränken) ja darüber reden, ob es ausreicht freie Spenden zu ermöglich.

Doch darum geht’s den Wiener Linien nicht. Im Gegenteil: In einem Auswahlverfahren mit Teilnahmebedingungen, die den Beteiligten einiges abverlangen, engagieren die Wiener Linien MusikerInnen mit dem Ziel durch ihre Kunst ein höheres Maß an (zumindest subjektiver) Sicherheit zu gewährleisten. Damit handelt es sich auch nicht mehr um eine Förderung sondern um einen Job.

Und so arm sind die Wiener Linien nicht. Die € 365,- Jahreskarte hat mit dazu beigetragen, dass es fast eine Milliarde Fahrgäste pro Jahr gibt, gleichzeitig unterstützt die Stadt Wien Betriebskosten und Investitionen mit jährlich mehreren hundert Millionen Euro.

Unter diesen Rahmenbedingungen muss niemand für die Wiener Linien umsonst arbeiten.

FahrerInnen, TechnikerInnen, KontrollorInnen, VerwaltungsmitarbeiterInnen … – alle bekommen selbstverständlich ein Gehalt. Nur für MusikerInnen soll es eine Ausnahme und somit kein Honorar geben?

Sorry, das geht so nicht.

 

Advertisements

5 Antworten zu “Kultur ist nicht umsonst

  1. Lieber Martin Margulies,
    schön, dass dir die Intention hinter den U-Bahn-Stars gefällt. Unser Projekt bietet KünstlerInnen die Möglichkeit, sich einem Publikum zu präsentieren – aber es ist eben kein Job, es geht um Straßenmusik. Wir werden das in den Teilnahmebedingungen präzisieren; es geht nicht um die Verpflichtung zu spielen, eher um die Fairness, dass die knappen Plätze dann auch bespielt werden. Anders als in anderen Städten wird bei uns keine Gebühr pro Auftritt fällig. Aber da das Interesse wie erwartet riesig ist, müssen wir eine Auswahl treffen – auch im Sinne der Fahrgäste – und die treffen wir nach Qualität. Die Details wurden übrigens gemeinsam mit StraßenmusikerInnen und dem Buskers Festival für Straßenmusik überlegt.
    Liebe Grüße, Dominik Gries für die Wiener Linien

  2. martin margulies

    Lieber Dominik Gries,

    noch bevor ich auf deine Antwort eingehe, zunächst mal Danke für die Sachlichkeit, die es auch ermöglicht darauf einzugehen.

    Einige wenige Kunst- und Kulturschaffende leben hervorragend von ihrem eigenen Schaffen und es sei ihnen von Herzen gegönnt. Vielen, quer durch die gesamte kulturelle Vielfalt, ist zumindest ein im Vergleich mit anderen Berufsgruppen adäquater Wohlstand ermöglicht. Gleichzeitig erreicht aber die Zahl der in prekären Verhältnissen lebenden Kulturschaffenden, insbesondere ob der fehlenden Rahmenbedingungen der sozialen Absicherungen auf Bundesebene, neue Höchststände.

    Gerade deshalb ist es mE von zentraler Bedeutung, dass insbesondere dann, wenn ein öffentliches Unternehmen wie die Wiener Linien sich dafür entscheidet kulturelle Dienstleistung in Anspruch nehmen, dafür auch bezahlt wird.
    Und dies vermitteln Pressemeldungen und Teilnahmebedingungen. Neue Wege bei der Schaffung von mehr Sicherheit im U-Bahn Bereich, mittels Kultur. Für Sicherheitsleistungen zu bezahlen steht beim Engagement von Security Dienstleistungen nicht zur Debatte. Kein Unternehmen würde umsonst für die Wiener Linien arbeiten.

    Nur weil es in Wien tatsächlich jede Menge Musikschaffende gibt, die z.T. tatsächlich froh darüber sind nur gegen freie Spende zu spielen, müssen die Wiener Linien diesen Zustand doch nicht noch weiter ausnutzen – insbesondere wenn es zuvor auch noch zu einer qualitativen Selektion kommt.

    Dies ist nicht nur für die betroffenen KünstlerInnen relevant. In einer Zeit, in der oft genug nur etwas zählt, wofür auch bezahlt wird, drückt es eine reduzierte Wertschätzung gegenüber kulturellem Schaffen aus, welches ich mir von der öffentlichen Hand nicht wünsche.

    Ich hoffe allerdings immer noch auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

    liebe Grüße, Martin Margulies

  3. @Martin: Zur Information: Ich bin weder Musiker noch Straßenmusiker, auch kein Verleger, Produzent oder sonstiges, sondern ein einfacher Pensionist.
    Und ich finde es toll, dass Sie sich Gedanken das Einkommen bestimmter Musikergruppen betreffend machen.
    Aber für mich stellen sich in diesem Zusammenhang 2 Fragen:
    1. Wer bezahlt dem Straßenmusiker auf der Kärntnerstraße ein Honorar?
    Der lebt von den freiwilligen Spenden der Passanten, was auch beim „U-Bahn-Musiker“ zutreffen würde, wobei dieser noch den Vorteil hat, ein Dach über dem Kopf zu haben.
    2. Warum wird im ÖSTERREICHISCHEN Rundfunk nicht mehr Musik von österreichischen Künstlern, und da gibt es viele, die vermutlich oberstes Niveau der Teilnahmebedingungen der Wiener Linien erreichen, gespielt. Dafür gibt es Entlohnungen über AKM.

  4. Anna Starzinger

    Wenn sich jemand informieren&meine Petition unterschreiben möchte – (es gibt nämlich einige wesentliche Punkte, die dieses Projekt von der üblichen Strassenmusik unterscheiden…wie zum
    Beispiel, dass es für einen Strassenmusiker nicht (!) üblich ist, dass er/sie ihre Rechte (Bild,Name&Musik dürfen laut AGBs von den Wiener Linien für Werbezwecke verwendet werden etc.) abtritt…für eine Hutspende)…:

    Mein Statement auf Ö1:

    Petition:
    https://www.openpetition.eu/at/petition/online/musik-ist-nicht-wertlos-quo-vadis-musikstadt-wien

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s